18:08 05 Dezember 2019
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    Griechenland wird erneut zum Härtetest für Eurozone

    Griechenland wird erneut zum Härtetest für Eurozone

    © AFP 2019 / Louisa Gouliamaki
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    Griechenland erwägt den Austritt aus der Eurozone. Europa scheint von weiteren Rettungsmaßnahmen Abstand zu nehmen, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Mittwoch.

    Griechenland steht zum dritten Mal innerhalb von fünf Jahren am Rande eines Staatsbankrotts. Ein Austritt der Griechen aus der Eurozone steht bereits zum zweiten Mal auf der Tagesordnung. Es ist unmöglich, die Lösung der angehäuften Probleme zu verschieben. Dennoch sind weder Griechenland noch Deutschland bereit, diese Probleme zu lösen. Nach der Auflösung des Parlaments im Dezember schlitterte Griechenland, dessen Präsidentenwahl drei Mal scheiterte, erneut in die Krise.

    Als Favorit bei den Parlamentsneuwahlen gilt das linksradikale Bündnis Syriza, das ein Ende des strikten Sparkurses und der Abzahlung der Staatschulden fordert. Den Linksradikalen zufolge leidet das griechische Volk ohnehin stark. Ein Wahltriumph des Bündnisses würde dazu führen, dass die Troika (IWF, EZB und EU-Kommission) keine Finanzhilfen mehr leistet.
    Der Euro ist inzwischen auf 1,18 US-Dollar gefallen, der niedrigste Stand seit neun Jahren. Bislang gab es den Ausstieg eines Landes aus der Eurozone nur in der Theorie. Doch die europäischen Länder wollen nicht ewig ein Mitglied der Eurozone finanziell unterstützen, das sich Reformen verweigert.

    Sollte das linke Bündnis Syriza tatsächlich die Wahl gewinnen, steckt dessen Chef Alexis Tsipras in der Zwickmühle. Das Land will auf den Euro verzichten, um eine Währungsabwertung zu erreichen. Dadurch würden Griechenlands Exportprodukte zwar wettbewerbsfähiger, gleichzeitig aber würde der Lebensstandard sinken. Bei einem Staatsbankrott entgehen dem Land Finanzhilfen zur Abzahlung der Schulden, was den Syriza-Wählern sicherlich nicht gefallen würde. Sollte Tsipras nach dem Wahlsieg weiter mit der Troika zusammenarbeiten, würde er seinem Ruf schaden, weil er dann seine Wahlversprechen nicht erfüllen würde.

    Laut dem Journalisten Josef Joffe von der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ könnte  Griechenland erneut geholfen werden, weil dessen Wirtschaft zu klein ist, um zusammenzubrechen.
    Doch in der Eurozone mehren sich die Anzeichen einer Systemkrise, bei der ernsthafte Reformen nicht nur für Griechenland, sondern auch für ganz Europa notwendig sind.

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    Tags:
    IWF, EU, Griechenland