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    PEGIDA-Demo in Wien

    Pegida in Deutschland: Quo vadis Europa?

    Heinz-Peter Bader
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    Rossijskaja Gaseta
    Pegida und Anti-Pegida (52)
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    In Deutschland kommt es in letzter Zeit zu ständig neuen Protestaktionen gegen die Islamisierung des Landes, schreibt die "Rossijskaja Gaseta" am Mittwoch.

    Allein im Dezember fanden drei Demonstrationen statt.

    Kanzlerin Angela Merkel, die vor einigen Jahren den „Multikulti“-Ansatz des Landes für gescheitert erklärte, übte in ihrer Neujahrsansprache Kritik an den Anhängern der „Pegida“-Bewegung (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes), „denn zu oft sind Vorurteile, ist Kälte, ja, sogar Hass in deren Herzen!“

    Pegida wurde im Herbst 2014 in Dresden gegründet, wo seit Oktober jeden Montag gegen die „Überflutung“ Europas von Zuwanderern protestiert wird. Zu Beginn waren es einige Hunderte Demonstranten, mittlerweile sind es Tausende.

    „Der Spiegel“ wies vor kurzem darauf hin, dass „Pegida“-Anhänger mit den gegen die Bundesregierung gerichteten Begriffen wie „Volksverräter“ „Vokabular wie bei Goebbels“ verwenden. Das Leitmotiv der „Pegida“-Bewegung ist dasselbe Motto wie bei den Demonstrationen in der DDR, die zum Fall der Berliner Mauer und  der Wiedervereinigung Deutschlands geführt hatten: „Wir sind das Volk!“ Allerdings werde bei den „Pegida“-Aktionen der Begriff „Volk“ „nicht im Sinne von ‚Bevölkerung‘ gebraucht, sondern im Sinne von Deutschen, die sich gegen einen als übermächtig empfundenen Zuzug von Ausländern wehren“, so „Der Spiegel“. Dabei nutzen die „Pegida“-Anführer diesen in Deutschland historisch positiv wahrgenommenen Spruch für ihre eigenen politischen Zwecke.

    Merkel geht derweil zunehmend auf Distanz zu den Islamisierungs-Gegnern. Dabei wird offensichtlich, wie stark sich ihre Ansichten in den vergangenen vier Jahren verändert haben. Im Oktober 2010 hatte der damalige Bundespräsident Christian Wulff verkündet: „Der Islam gehört zu Deutschland“. Nur zwei Wochen später erklärte Merkel aber auf einer CDU-Veranstaltung genau das Gegenteil: „Zu sagen, jetzt machen wir hier mal Multikulti und leben so nebeneinander her und freuen uns übereinander: Dieser Ansatz ist gescheitert, absolut gescheitert.“

    Massendemos: Islam spaltet Deutschland
    © REUTERS / Hannibal Hanschke
    Jetzt aber wiederholt die Kanzlerin fast Wort für Wort das, was Wulff damals sagte. Das Mitglied der Chefredaktion von „Spiegel Online“ Roland Nelles findet, dass sich Merkel faktisch an die Spitze der Anti-Pegida-Bewegung gestellt habe. „Während halb Deutschland (und auch die Union) noch erregt diskutierte, wie man mit Pegida umgehen müsse, ob nicht auch Verständnis für die Positionen angebracht sei, stellte sie klar: Da gehen rechtschaffene Bürger nicht hin. Basta“, so Nelles.

    Die Ereignisse der letzten Zeit zeigen die offensichtliche Spaltung der deutschen Gesellschaft, die sich nach den jüngsten  Terroranschlägen in Frankreich weiter vertieft hat. Die „Pegida“-Aktionen in Dresden und die gestrige Anti-Pegida-Demonstration in Berlin sind ein krasses Beispiel dafür, dass die Misserfolge der Multikulti-Politik die Menschen in dem bevölkerungsreichsten Land Europas in zwei Lager teilt. Die Menschen in Deutschland können besser verstehen, wohin sie von der Bundesregierung geführt werden. Die ohnehin schlechten Beziehungen zwischen den Vertretern verschiedener Nationalitäten haben sich extrem angespannt. Dieser Brand kann nicht mehr mit Reden der Kanzlerin gelöscht werden.

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