13:56 03 April 2020
SNA Radio
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    0 1410
    Abonnieren

    Die Behörden der russischen Teilrepublik Tschetschenien bereiten eine große Antwort auf die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in der französischen Zeitschrift „Charlie Hebdo“ vor, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Donnerstag.

    An der großen Protestaktion sollen dem tschetschenischen Präsidialamt zufolge bekannte Geistliche teilnehmen, darunter aus anderen Regionen Russlands. Die Initiative soll auf tschetschenische Geistliche zurückgehen, die jegliche Handlungen verurteilen, „die den Gesandten Allahs direkt oder indirekt beleidigen“.

    Der Sprecher von Ramsan Kadyrow (Tschetscheniens Oberhaupt), Alwi Karimow, teilte mit, dass die Kundgebung am 19. Januar stattfinden werde. „Sie beginnt um 10.00 Uhr im Zentrum von Grosny.“ Nach seinen Worten handelt es sich um einen Marsch, der sich danach in eine Kundgebung verwandeln wird. Ob Kadyrow persönlich daran teilnehmen wird, konnte sein Sprecher nicht sagen: „Er wird selbst entscheiden, ob er sich daran beteiligt oder nicht.“

    Laut einer offiziellen Mitteilung werden Hunderttausende Demonstranten erwartet. Der russischen Statistikbehörde (Rosstat) zufolge lebten in Grosny 2013 mehr als 277 000 Menschen und in Tschetschenien mehr als 1,346 Millionen Menschen.

    Am vergangenen Sonntag hatte in Paris der so genannte „Republikanische Marsch“ nach den Terrorangriffen auf die Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ und auf einen jüdischen Supermarkt in Paris stattgefunden. An der Kundgebung beteiligten sich die Staats- bzw. Regierungschefs Frankreichs, Deutschlands, Dänemarks, Spaniens, Großbritanniens usw. Aus Solidarität mit den zwölf getöteten „Charlie Hebdo“-Journalisten veröffentlichten viele westliche Zeitungen und Zeitschriften religiöse Karikaturen.

    Kadyrow reagierte darauf prompt:

    „Wir werden niemandem gestatten, den Propheten zu beleidigen, selbst wenn das uns das Leben kosten sollte“, schrieb er auf Instagram, nachdem der frühere Chef des russischen Ölkonzerns Yukos, Michail Chodorkowski, die Medien zur Veröffentlichung der umstrittenen Karikaturen aufgerufen hatte. „Dass wir immer noch schweigen, bedeutet nicht, dass wir nicht Millionen Menschen weltweit zu Protestmärschen gegen diejenigen versammeln können, die die religiösen Gefühle der Muslime beleidigen. Wollt Ihr das?“

    Der Vizeleiter der Geistlichen Verwaltung der Muslime in Russland, Damir-Chasrat Muchetdinow, sagte zu "Kommersant", er wüsste nichts von Kadyrows Initiative zu einer Protestaktion. „Möglicherweise hat Kadyrow mit dem Vorsitzenden des russischen Muftirates, Rawil Gainutdin, gesprochen. Wir haben allerdings keine entsprechenden Informationen“, betonte er.

    Ramsan Kadyrow hatte bereits während des Karikaturen-Skandals um die dänische Zeitung ‚Jyllands-Posten‘ im Jahr 2006 scharf reagiert und auch zu Maßnahmen gegen die russische Zeitschrift ‚Russki Reportjor‘ aufgerufen, die eine 1 cm x 1 cm große Karikatur veröffentlich hatte“, erinnerte der Leiter des Informations- und Analysenzentrums Sowa, Alexander Werchowski.

    Zugleich geht der Experte davon aus, dass viele Muslime zur geplanten Kundgebung in Grosny kommen werden. „Viele kommen aus Überzeugung. Es wird aber wohl viele Menschen geben, die einfach nicht ‚nein‘ sagen können.“ Die Hauptsache sei aber, dass friedliche Protestaktionen, die durchaus angebracht seien, nicht mit Krawallen enden, warnte Werchowski.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Kadyrow: Westen für Tschetschenen wie „böse Stiefmutter“
    Erster Weltkrieg: Karikaturen und Plakate aus Russland
    USA fangen Berliner Bestellung für Schutzmasken ab – Bericht
    Brückenteil abgestürzt: Schwerer Bahnunfall im Rheintal fordert Todesopfer
    Tags:
    Charlie Hebdo, Yukos, Alexander Werchowski, Damir-Chasrat Muchetdinow, Ramsan Kadyrow, Michail Chodorkowski, Tschetschenien