03:45 14 Juli 2020
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    Die Ratingagentur Standard&Poor’s hat nach Bloomberg-Informationen die Kreditwürdigkeit Russlands auf das Ramschniveau BB+ herabgestuft, schreibt die „RBC“ am Dienstag.

    S&P erklärte ihre Entscheidung damit, dass die russische Geld- und Kreditpolitik weniger flexibel geworden sei. Die Situation im Finanzbereich verschlechtere sich, was die Möglichkeiten der russischen Zentralbank einschränke. „Wir denken, dass die Zentralbank zunehmend schwierigere Entscheidungen bezüglich der Geld- und Kreditpolitik treffen muss und gleichzeitig versucht, ein stabiles BIP-Wachstum zu sichern“.

    Russlands Zentralbank hatte im Dezember den Leitzins auf 17 Prozent erhöht. Damit sollte die schnelle Rubel-Abwertung gestoppt und die Inflationsrate eingedämmt werden. Der Rubel wurde zwar kurzfristig gegenüber dem US-Dollar gestärkt, verliert jetzt jedoch weiter an Wert. Nach S&P-Angaben könnte die zurückgehende Kreditversorgung der Wirtschaft sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Die Ratingagentur rechnet damit, dass die russische Wirtschaft von 2015 bis 2018 um 0,5 Prozent pro Jahr wachsen wird, was deutlich niedriger als in den vergangenen Jahren ist.

    Die Inflationsrate werde in diesem Jahr mehr als zehn Prozent ausmachen, so die Experten von S&P.

    „Wir erwarten, dass sich die Qualität der Aktiva im Finanzbereich angesichts der Rubelschwächung, des beschränkten Zugangs der wichtigsten Wirtschaftsbereiche zu den internationalen Kapitalmärkten wegen der Sanktionen sowie wegen des Wirtschaftsrückganges verschlechtern wird“.

    Die nächste Revision der Kreditwürdigkeit Russlands ist für den 17. April geplant. Die Prognose ist negativ.

    Der Sprecher des russischen Wirtschaftsministeriums nahm keine Stellung zu diesen Informationen und betonte, dass Minister Alexej Uljukajew bereits dazu Stellung genommen habe. Uljukajew sagte bei einer Sitzung mit Präsident Wladimir Putin am vergangenen Mittwoch, dass die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Russlands durch die Ratingagenturen nicht gerechtfertigt sei.
    In den ersten Minuten nach der Bekanntgabe der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Russlands stiegen der US-Dollar an der Moskauer Börse auf mehr als 68 Rubel und der Euro auf 77 Rubel.
    Laut dem Wirtschaftsexperten Oleg Kusjmin von Renaissance Capital hat der Markt diese Entscheidung erwartet, weshalb keine großen Auswirkungen auf den Rubel-Kurs zu erwarten sind. Es sei gut, dass zwei andere Ratingagenturen – Fitch und Moody’s – an der bisherigen Kreditwürdigkeit Russlands auf Investitionsniveau festhalten. Es werde kritisch, wenn auch sie die Bonitätsnote senken. Falls die Ölpreise weiter nach unten gehen und es zur Eskalation des Ukraine-Konfliktes komme,  könnten diese Agenturen Russlands Bonitätsnote ebenfalls herabstufen. Doch das würde nicht früher als im zweiten Quartal geschehen, so der Experte.

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    Tags:
    Ratingagentur Standard & Poor’s, Wladimir Putin, Oleg Kusjmin, Alexej Uljukajew, Russland