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    Russland wappnet sich mit Gold gegen Währungskrieg

    Russland wappnet sich mit Gold gegen Währungskrieg

    © Sputnik / Alexander Alpatkin
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    Nowyje Iswestija
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    Russlands Zentralbank hat zwischen Januar und November 2014 insgesamt 152 Tonnen Gold für 6,1 Milliarden Dollar gekauft. Das ist der größte Goldkauf seit Sowjetzeiten, schreibt die Zeitung "Nowyje Iswestija" am Montag.

    Außerdem macht diese Menge fast ein Drittel von dem aus, was die Zentralbanken weltweit (461 Tonnen) gekauft haben.

    Experten führen Russlands Aktivitäten auf dem Goldmarkt auf die Notwendigkeit zurück, die Abhängigkeit der nationalen Reserven vom US-Dollar und vom Euro abzubauen. Die britische "Financial Times" verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass Russland während seiner Finanzkrise 1998 insgesamt 118 Tonnen Gold verkaufen musste, um sein Finanzdefizit zu decken. Ob Moskau auch jetzt auf diese Möglichkeit zurückgreift? „Das ist unwahrscheinlich“, findet Analyst Matthew Turner von der Bank Macquarie, der größten Investitionsbank Australiens. „Die aktuelle Situation ist für Russland nicht so dramatisch.“

    Der deutsche Experte Alexander Daniels sagte seinerseits, dass der Boykott des Westens negative Folgen für die Zahlungsfähigkeit der Russen habe.

    „Dank seinen Goldreserven kann Russland alles, was es braucht, bei freundschaftlich gesinnten Ländern schnell kaufen. Gold dient in Krisen wie eine international anerkannte Währung, die jederzeit gegen ausländische Währungen oder gegen Lebensmittel getauscht werden kann“, betonte er.

    In diese Logik passt auch die Tatsache, dass Russland 2014 insgesamt 272 Tonnen Gold selbstständig gefördert hat: mehr als Australien (269,7 Tonnen). Nur China, seit 2077 der globale Spitzenreiter auf diesem Gebiet, hat mit 465,7 Tonnen mehr Gold gewonnen.

    Insgesamt wurden im vergangenen Jahr weltweit 3109 Tonnen Gold gefördert – mehr als je zuvor.

    Formell ist Gold schon seit 1971 kein richtiges Synonym für Geld: Nach der Abschaffung des „goldenen Standards“ ist keine einzige Währung der Welt an Gold gebunden. Dennoch sind die Goldreserven einzelner Länder ein wichtiges Merkmal für ihre Stärke.

    Besonders auffallend ist das in Zeiten von wirtschaftlichen Turbulenzen: Krisen verursachen stets einen Preisaufschwung bei Gold. Dabei steigt die Nachfrage nicht nur seitens der Zentralbanken, sondern auch seitens einzelner Branchen wie Flugzeugbau, Raumfahrt, Schmuckindustrie und Medizin.

    Der Chefanalyst der Deutschen Bank in Russland, Jaroslaw Lissowolik, hält Gold für „eine der wichtigsten Komponenten der Währungsreserven“. „Großenteils sind diese Reserven in Russland in Dollar und Euro konzentriert. Gold ist ein Mittel für ihre Diversifizierung. Wenn sich die Wirtschaftssituation im Land verschlechtert, wird der Preis für dieses Metall immer höher und seine Rolle dementsprechend wichtiger“ so der Branchenkenner.

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    Tags:
    Deutsche Bank, Bank Macquarie, Jaroslaw Lissowolik, Alexander Daniels, Russland