21:51 23 September 2017
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    Beginn des Schuljahres in Russland

    Kopftuchverbot in Schulen: Obermufti appelliert an Putin

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    Nowyje Iswestija
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    Der Vorsitzende des Russischen Muftirats, Rawil Gajnutdin, hat sich an Präsident Wladimir Putin mit der Bitte gewandt, den muslimischen Mädchen zu erlauben, in der Schule einen Hidschab zu tragen, schreibt die „Nowyje Iswestija“ am Donnerstag.

    In einigen russischen Regionen wurde verboten, Kopftücher in den Schulen zu tragen. In der kommenden Woche will der Oberste Gerichtshof Russlands eine von muslimischen Familien aus der Wolga-Teilrepublik Mordwinien eingereichte Klage gegen dieses Verbot behandeln.

    Laut Gajnutdin sind die Kopftücher nicht etwas Spezifisches bzw. extrem Religiöses. „Das ist kein Merkmal einer Konfession und keine Herausforderung an die Gesellschaft“, so der Verfasser der Botschaft, die auf der Webseite des Muftirats veröffentlicht wurde.

    Mordwinien hatte im Oktober 2014 das Kopftuchverbot in den Schulen eingeführt. Die Behörden der Teilrepublik erklärten damals das Verbot damit, dass für alle Mädchen eine einheitliche Schuluniform gibt. Die Eltern einiger Schülerinnen wandten sich an den Obersten Gerichtshof der Teilrepublik, wo ihre Beschwerde jedoch abgelehnt wurde. Jetzt soll sie vom Obersten Gerichtshof Russlands behandelt werden.

    Laut der Vorsitzenden des Bildungsausschusses in der russischen Staatsduma (Parlamentsunterhaus), Irina Manujlowa, ist das Verbot absolut begründet. „Die Schulen sind bei uns säkular. Es gibt eine festgeschriebene Schuluniform. Alle Schüler müssen ausnahmslos diesen Regeln folgen“, so die Abgeordnete.

    Je weniger Unterschiede es zwischen den Schülern gebe, desto besser sei es, sagte der Direktor des Moskauer Bildungszentrums Zarizyno, Jefim Ratschewski. Falls im Statut der Bildungsanstalt festgeschrieben sei, dass es in der Schule eine Schuluniform gebe, die keine solche Kopfbedeckung vorsehe, sollten Fragen dieser Art nicht entstehen. Diese Fragen sollten jedoch auf der Ebene der Bildungsanstalt und nicht auf der Ebene der Region bzw. des Landes geregelt werden, so Ratschewski.

    In Russland kam es zuletzt wegen den Kopftüchern immer wieder zu Konflikten. In Kaliningrad weigerte sich ein Busfahrer, zwei Hidschab tragende Frauen zu fahren. Das Bezirksgericht unterstützte die Frauen. Jetzt  muss das Busunternehmen eine Entschädigung zahlen. In einer Moskauer Medizin-Universität kam es zu einem Skandal, als Studentinnen mit Kopftüchern nicht zum Unterricht zugelassen wurden. Später wurde ihnen erlaubt, einen Schal zu tragen, die den Hals und das Haar bedecken.

    In der südrussischen Region Stawropol wurde im September 2012 erstmals ein Hidschab-Verbot ausgesprochen. Der Oberste Gerichtshof Russland erkannte im Juli 2013 diesen Beschluss als legitim an. Auch Staatschef Wladimir Putin hat sich zu diesem Thema bereits geäußert. Er unterstrich, dass es sogar in den muslimischen Regionen Russlands unüblich ist, mit dem Hidschab in die Schulen zu gehen.

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    Tags:
    Wladimir Putin, Rawil Gajnutdin, Russland
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