11:10 10 Dezember 2019
SNA Radio
    IKEA

    Pessimismus vertreibt Investoren aus Russland

    © Sputnik / Vadim Braidov
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    Krisenstimmung in Russlands Wirtschaft (146)
    0 287
    Abonnieren

    Immer mehr ausländische Unternehmen kehren Russland den Rücken, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

    Der Grund dafür ist die Abwertung des Rubels und die nachlassende Kaufkraft der Russen.

    Allerdings suchen nicht alle Unternehmen das Weite. Einige internationale Großkonzerne haben bereits ihre Bereitschaft signalisiert, in Russland zu bleiben. So hat IKEA bestätigt, dass die Investitionen in Russland bis 2020 etwa 2,3 Milliarden Dollar erreichen würden. Auch McDonald’s expandiert weiter. Allein in diesem Jahr seien etwa sechs Milliarden Rubel (umgerechnet 78 Millionen Euro nach dem aktuellen Wechselkurs) für die Eröffnung von neuen Restaurants eingeplant, so der Chef von McDonald’s in Russland, Chamsat Chasbulatow. „Angesichts der aktuellen Geschäftsbedingungen in Russland (…) freuen wir uns schon darüber, dass unsere Investitionen auf dem vorjährigen Niveau bleiben“, betonte er gegenüber Reuters.

    Falls aber der Rubel weiter an Wert verliere und Moskau keinen Ausweg aus der Ukraine-Krise finde, dann könnten ausländische, darunter deutsche, Unternehmen den russischen Markt verlassen, warnte der Exekutivdirektor des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Rainer Lindner, in einem Interview für die Deutsche Welle. Eine Massenflucht der deutschen Wirtschaft aus Russland sei zwar nicht zu erwarten, aber Investitionen in Russland werden zunehmend unattraktiver.

    Dabei finden zwei Drittel der in Russland aktiven deutschen Unternehmer die Wirtschaftssanktionen nicht als angemessenes Mittel zur Regelung von politischen Konflikten. Davon zeugen die Ergebnisse der jüngsten gemeinsamen Umfrage der Russisch-Deutschen Außenhandelskammer und des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. An der Umfrage hatten sich Vertreter von 156 Unternehmen beteiligt, deren gesamter Umsatz in Russland bei 19 Milliarden Euro liegt.

    91 Prozent der Befragten zeigten sich überzeugt, dass die westlichen Russland-Sanktionen und die schwache Konjunktur in Russland im vergangenen Jahr die entscheidende Rolle bei der Verschlechterung der Wirtschaftslage gespielt haben. Das ist das schlechteste Umfrageergebnis seit zehn Jahren, denn selbst während der Weltwirtschaftskrise 2008 bzw. 2009 zeigten sich die Unternehmen wesentlich optimistischer. Russland erlebe eine Rezession, die nicht nur die Bevölkerung und die nationale Wirtschaft, sondern auch viele ausländische Firmen unmittelbar negativ beeinflusse, so der Präsident der Russisch-Deutschen AHK, Rainer Seele.

    Die meisten Ausländer erwarten keine Verbesserung der Situation in diesem Jahr. Aber Russland ist und bleibt einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Allerdings haben seit 2011 etwa 300 deutsche Firmen Russland verlassen. Nur zehn Prozent der in Russland bleibenden Firmen planen Neueinstellungen. Zwei Drittel müssen dagegen einen Teil ihrer Mitarbeiter entlassen. Fast drei Viertel der Unternehmen planen keine Investitionen in Russland in den nächsten zwölf Monaten.

    Laut jüngsten Angaben ist der deutsche Export nach Russland 2014 um sechs Milliarden Euro (18 Prozent) geschrumpft. Dem Vorsitzenden des Ost-Ausschusses, Eckhard Cordes, zufolge hat Deutschland deswegen im vorigen Jahr etwa 60 000 Arbeitsplätze verloren. Dabei prognostizieren 72 Prozent der an der Umfrage beteiligten Unternehmen einen weiteren Rückgang des Exports nach Russland.

    Es gibt allerdings ziemlich viele Investoren, die der Ansicht sind, dass gerade jetzt in Russland investiert werden sollte. „Es ist höchste Zeit, in Russland zu investieren“, sagte der Generaldirektor der Französisch-Russischen Außenhandelskammer, Pawel Schinski. „Wegen der Rubel-Abwertung sind die Investitionen wesentlich billiger geworden.“ Zugleich betonte er, dass man einen Markt nie verlassen sollte. „Man kann seinen Marktanteil verlieren“, so der Branchenkenner.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Krisenstimmung in Russlands Wirtschaft (146)

    Zum Thema:

    Keine Risiken für ausländische Investoren in Russland - Wirtschaftsminister
    Russischer Wirtschaftsminister prognostiziert für 2015 Inflation von 12 Prozent
    Russland vs. USA: „Geopolitische Falle für Deutschland“
    Deutsche Experten für Freihandelszone mit Russland
    Tags:
    McDonald’s, IKEA, Rainer Seele, Eckhard Cordes, Pawel Schinski, Rainer Lindner, Chamsat Chasbulatow, Deutschland, Russland