03:40 15 November 2019
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    Antiwestliche Stimmung in Russland steigt auf Rekordhoch

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    Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Lewada-Zentrum hat die antiwestliche Stimmung in Russland ihren historischen Höhepunkt erreicht, schreibt die „Wedomosti“ am Montag.

    81 Prozent der Befragten sind negativ gegenüber den USA eingestellt (vor einem Jahr waren es 44 Prozent). Die Zahl der Russen, die die Beziehungen zwischen Russland und den USA als feindselig bezeichnen, stieg innerhalb eines Jahr von vier auf 42 Prozent. 71 Prozent sind negativ gegenüber der EU eingestellt, 24 Prozent halten die Beziehungen zur EU für feindselig (vor einem Jahr war es ein Prozent). Dabei sind 40 Prozent der Ansicht, dass die Beziehungen zum Westen gefestigt werden müssen. 36 Prozent zufolge sollte man auf Distanz zum Westen gehen. Die Zahl derjenigen, die denken, dass Russland auf ein Niveau mit den einflussreichsten Mächten aufgestiegen ist, sank von 45 auf 27 Prozent im Vergleich zum Jahr 2008.

    Laut dem stellvertretenden Direktor des Lewada-Zentrums, Alexej Graschdankin, bleibt die feindselige Einstellung gegenüber den USA unverändert, wobei sich das Verhalten gegenüber der EU und der Ukraine verschlechtert. „Das ist die negativste Einstellung der Russen gegenüber dem Westen und den USA in den vergangenen 25 Jahren; das hängt mit der Situation um die Ukraine und dem Unverständnis der Russen über das Wesen der Sanktionen zusammen“, so der Soziologe. Hinter der feindlichen Politik gegenüber Russland stecke ein wirtschaftlicher Hintergrund, meinen die Russen. Was die Position Russlands in der Weltgemeinschaft betrifft, denken die einen, dass die Wirtschaftsentwicklung Russlands nicht so erfolgreich ist, wie es vor der Krise 2008 gewesen sei. Die anderen sind der Ansicht, dass Russland hinter dem Westen zurückbleibt, weil es als ein schnell wachsender Konkurrent aus dem Wirtschaftsraum verdrängt werde.

    Wie der Politologe Dmitri Orlow betont, sind die Reaktionen der Russen auf den Einfluss der USA und der EU auf die Ukraine-Situation und die damit verbundene Informationskampagne zurückzuführen. Die Russen machen den Westen für den Krieg verantwortlich. Doch nach der Regelung der Situation werde sich die Einstellung gegenüber dem Westen allmählich bessern.

    Der Politologe Alexej Makarkin glaubt hingegen nicht an eine baldige Änderung der Situation. Die Russen sprachen traditionell von den „schlechten“ USA und einem „guten“ Europa. Doch bereits vor Beginn der Ereignisse in der Ukraine hatte sich die Einstellung gegenüber den Europäern geändert, weil diese keine traditionellen Werte mehr pflegen. Ein Teil der russischen Bevölkerung bevorzugt traditionelle Werte, während ein anderer Teil der Meinung ist, dass man Europa nicht mehr einholen könne.

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    Tags:
    Umfrage, Lewada-Zentrum, Dmitri Orlow, Alexej Graschdankin, Alexej Makarkin, USA, Russland