21:05 20 April 2019
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    Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis

    Russland-Zypern: Finanzhilfe im Tausch gegen Militärbasis?

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    Der zyprische Präsident Nikos Anastasiadis schließt nicht aus, dass Russland Militärstützpunkte auf der Insel überlassen werden könnten. Während seines Moskau-Besuchs am 8. Februar sagte er, dass ein entsprechendes offizielles Angebot bereits am 25. Februar unterbreitet werden könnte, schreibt die "RossijskajaGaseta" am Montag.

    Es handelt sich um den Luftwaffenstützpunkt „Andreas Papandreou“ auf dem Gelände des zivilen Flughafens Pathos im Südwesten der Insel sowie um einen Marinestützpunkt in Limassol im Süden.

    Moskau hatte mit Nikosia schon seit längerer Zeit darüber verhandelt. Derzeit hat Russland einen kleinen Reparaturstützpunkt im syrischen Tartus. Falls Moskau seinen geopolitischen Einfluss am Mittelmehr ausweiten will, muss es nach neuen Möglichkeiten suchen, in dieser Region Fuß zu fassen.

    Die Verhandlungen wurden bei einem Treffen der Außenminister beider Länder, Sergej Lawrow und Ioannis Kasoulidis, im Juni 2013 in St. Petersburg fortgesetzt. Damals reagierte Kasoulidis auf die entsprechende Anfrage der Russen eher zurückhaltend und hielt die Verpachtung eines Stützpunktes für unwahrscheinlich – wegen der negativen Position der USA und der anderen Nato-Länder.

    Im Frühjahr 2014 bekam Russland jedoch das Recht eingeräumt, den Waffenstützpunkt in Pathos „in Notfällen und für humanitäre Missionen“ zu nutzen. Auch der Hafen in Limassol wurde für russische Schiffe geöffnet – für Betankung und kürzere Aufenthalte. Mehr als das: Um diese Möglichkeit zu bekommen, musste Moskau Nikosia unter Druck setzen. So wurde den Zyprioten während ihrer Bankenkrise 2013 eine Umschuldung in Höhe von 2,5 Milliarden Euro verweigert. (Nikosia hatte 2011 einen Kredit für diese Summe erhalten.) Ihre Schulden wurde erst im September 2013 umstrukturiert – nach Fortschritten in den Gesprächen über die Stützpunkte.

    Jetzt hat der zyprische Staatschef aber selbst Russland ein Angebot gemacht. Das ist nachvollziehbar: Nikosia braucht Verbündete wegen der Spannungen mit dem türkischen Teil der Insel, zumal Griechenland viele eigene Probleme hat, weshalb Nikosia allein der starken Türkei widerstehen muss.

    Es gibt jedoch ein großes „Aber“: Die Zyprioten wissen nur zu gut, dass ein ausländischer Militärstützpunkt auf der Insel nicht automatisch ihre Sicherheit garantiert. So sind auf der Insel seit dem frühen 20. Jahrhundert britische Truppen stationiert, was den Zyprioten im Jahr 1974 aber nichts genützt hat, als ein Teil der Insel von der Türkei annektiert wurde.

    Deshalb ist Anastasiadis‘ Angebot eher ein Versuch, die Lage zu sondieren. Eine solche Großzügigkeit – besonders im Kontext der aktuellen geopolitischen Situation – lässt vermuten, dass Nikosia von Moskau entsprechende umfassende Hilfe erwartet.

    Somit ist nicht auszuschließen, dass Russland nicht nur das nach der Bankenkrise 2013 angeschlagene Zypern, sondern auch Griechenland unterstützen müsste, um seine Kriegsschiffe an der Insel stationieren zu dürfen. Denn auch der neue griechische Premier Alexis Tsipras hatte Anfang Februar geäußert, Griechenland und Zypern könnten „eine Brücke werden, die Russland und Europa zusammenbringen würde“.

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    NATO, Nikos Anastasiadis, Sergej Lawrow, Ioannis Kasoulidis, Zypern, Russland