23:54 11 Dezember 2017
SNA Radio
    Ukrainische Armee bei Debalzewo

    Ukrainische Truppen ziehen aus Debalzewo ab

    © AFP 2017/ ANATOLII STEPANOV
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Wedomosti
    Situation in der Ostukraine (346)
    0 423

    Nach erbitterten Kämpfen räumen die ukrainischen Regierungseinheiten ihre Stellungen im Kessel von Debalzewo, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Donnerstag.

    Am Mittwochmorgen sind nach einer zuvor erzielten Vereinbarung rund 1.000 ukrainische Soldaten aus dem Kessel von Debalzewo abgezogen, teilte eine Quelle mit, die dem Gemeinsamen Kontroll- und Koordinierungszentrum nahesteht. Demnach wurde der Abzug der ukrainischen Regierungseinheiten unter Mitwirkung des Gemeinsamen Kontroll- und Koordinierungszentrums, des Internationalen Roten Kreuzes und einiger ukrainischer Politiker erreicht. Laut dieser Vereinbarung sollen die Aufständischen der Volksrepubliken Donezk und Lugansk zugesichert haben, den Abzug der ukrainischen Soldaten samt Militärtechnik nicht zu behindern.

    Der ukrainische Staatschef Pjotr Poroschenko
    © Sputnik/ Press service of the Ukrainian President
    Der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko teilte am Mittwoch mit, dass 80 Prozent der Soldaten mit ihren Waffen „planmäßig und organisiert” abgezogen worden seien. Poroschenko verkaufte den Abzug als Erfolg. „Diese Position und dieser Erfolge waren für uns bei den Verhandlungen in Minsk und nach den Verhandlungen notwendig. Mit diesen Handlungen wurde Russland geschmäht, das noch gestern von den ukrainischen Militärs forderte, die Waffen niederzulegen, die weiße Fahne zu hissen und in Gefangenschaft zu gehen“, sagte Poroschenko. Der ukrainische Staatschef sprach erneut davon, dass es überhaupt keinen Kessel gegeben habe und die „russischen Militärs“ den OSZE-Beobachtern die Möglichkeit verweigerte habe, diese Tatsache festzustellen.

    Der Sprecher des Verteidigungsministeriums der Volksrepublik Donezk, Eduard Bassurin, teilte am Mittwoch mit, dass die ukrainischen Soldaten weiterhin eingeschlossen seien. Bei den anhaltenden Kämpfen würden weiterhin ukrainische Soldaten in Gefangenschaft genommen, während die Volksrepublik Donezk mit dem Rückzug schwerer Waffen gemäß den Minsker Vereinbarungen vom 12. Februar begonnen habe. Wladislaw Brig, ein weiterer Vertreter des Verteidigungsministeriums der Volksrepublik Donezk, betonte gegenüber dem Radiosender Kommersant-FM, dass am Mittwoch rund 1.000 unbewaffnete ukrainische Soldaten über einen speziellen Korridor herausgelassen worden seien.

    Wie der ukrainische Politologe Wladimir Fessenko sagte, wurde in Debalzewo der Waffenstillstand massiv verletzt. Das Vertrauen in die Minsker Vereinbarungen sei untergraben und der Ruf der Staats- und Regierungschefs Deutschlands und Frankreichs geschädigt worden.
    Dem Experten des Warschauer Instituts für Gesellschaftsprozesse, Lukas Wenerski, zufolge muss der Abzug der ukrainischen Soldaten aus Debalzewo nicht automatisch positive Signale an den Westen bedeuten. Falls sich die Situation „auf dem Boden“ nicht normalisiere, könne die EU weitere punktuelle Sanktionen verhängen.

    Wie Michail Barabanow von der Militärzeitschrift „Moscow Defence Brief“ betonte, war von Anfang an klar, dass der Abzug der ukrainischen Truppen beschlossen wird, weil die Seiten die Minsker Vereinbarungen nicht torpedieren wollen. Weil Poroschenko aber nicht sein Gesicht verlieren wollte, habe er dies nicht mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bereits in Minsk vereinbart und die Gefangennahme und den Tod von Hunderten ukrainischen Soldaten in Kauf genommen.

    Themen:
    Situation in der Ostukraine (346)

    Zum Thema:

    Volkswehr-Sprecher: Aus Debalzewo-Kessel ist niemand ausgebrochen
    Kommandeur: Viele Tote und Verletzte bei Abzug der ukrainischen Armee aus Debalzewo
    Lawrow telefoniert mit Steinmeier: „Debalzewo-Kessel“ im Mittelpunkt
    Lawrow zu Debalzewo-Kessel: Ukrainische Militärs müssen Durchbruchversuche aufgeben
    Tags:
    OSZE, Petro Poroschenko, Eduard Bassurin, Debalzewe