17:07 27 Oktober 2020
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    Litauens Sicherheitsrat will in den kommenden fünf Jahren die Wehrpflicht wieder einführen. Laut den litauischen Behörden hängt der Beschluss mit der Ukraine-Krise und einer möglicher Bedrohung durch Russland zusammen, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Donnerstag.

    Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite erklärte dieser Tage, dass diese Maßnahme vorübergehend und „angesichts der sich wandelnden geopolitischen Situation“ beschlossen worden sei.

    Litauens Berufsarmee besteht derzeit aus 8.000 Vertragssoldaten, 4.500 Reservisten und 23.000 zivilen Festangestellten. In den kommenden fünf Jahren sollen rund 3.500 Männer im Alter von 19 bis 26 Jahren eine neun Monate dauernde Grundausbildung absolvieren. 2009 hatte Litauen die Wehrpflicht abgeschafft und war damit nach Lettland das zweite baltische Land, das sich zu diesem Schritt entschieden hatte.

    Der Oberbefehlshaber der litauischen Armee, Jonas Vytautas Žukas, erklärte diesen Beschluss – im Gegensatz zu Grybauskaite – damit, dass der Mangel an Soldaten „eine Gefahr für die Staatssicherheit darstellt“. In Bezug auf Russland sagte Žukas, dass "die Nato-Länder über die Entwicklung der Ereignisse im Südosten der Ukraine beunruhigt sind, und obwohl derzeit keine reale Bedrohung von Russland ausgeht und es keine Streitkräfte an der Grenze zu Litauen zusammenzieht, wissen wir nicht, wie sich die Situation weiter entwickeln wird“.

    Dem Beschluss des Sicherheitsrates muss das Parlament in Vilnius noch zustimmen. Allem Anschein nach werden die Abgeordneten der Regierungskoalition die Wiedereinführung der Wehrpflicht billigen. Bereits im September sollen die ersten Wehrpflichtigen einberufen werden. Wie Litauens Sicherheitsrat jedoch betonte, ist eine Rückkehr zur Berufsarmee vorgesehen, sollte „die russische Bedrohung“ nachlassen oder die Situation in der Welt sich wesentlich ändern.

    Allerdings wird es für die litauische Armee schwierig werden, junge Männer für den Wehrdienst zu verpflichten. 2014 wanderten etwa 17.500 junge Litauer auf die Suche nach besser bezahlten Jobs aus.

    Zudem werden Vollzeitstudenten, junge Väter und schwer Erkrankte von der Wehrpflicht befreit.

    Nach Schätzungen kostet die Wiedereinführung der Wehrpflicht den litauischen Staatshaushalt zwischen 30 und 35 Millionen Euro bzw. 9.000 Euro für jeden Grundwehrdienstleistenden.

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    Tags:
    Wehrpflicht, NATO, Jonas Vytautas Žukas, Dalia Grybauskaite, Ukraine, Litauen