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    Islamische Banken zeigen Interesse an Engagement in Russland

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    Arabische Banken sind am russischen Markt interessiert, schreibt die russische Zeitung "Kommersant" am Dienstag. Weil den russischen Banken der Zutritt zum europäischen und amerikanischen Kapitalmarkt verwehrt bleibt, ist die Wende gen Osten nicht überraschend.

    Dass mindestens zwei islamische Finanzinstitute – Al Baraka und Al Shamal – nach Partnern auf dem russischen Markt suchen, erfuhr die „Kommersant“ vom Aufsichtsdirektor der Zentralbank Bahrains, Abdul Rahman Al Baker, während eines Islamischen Investitionsgipfels in der vergangenen Woche in Bahrain.

    Nach seinen Worten zeigten die Banken schon seit längerer Zeit Interesse für Russland, aber selbstständige Aktivitäten auf diesem Markt wären für sie kaum möglich, weil es in Russland keine Normen gibt, die islamischen Banken gestatten würden, nach ihren eigenen Regeln zu arbeiten. „Deshalb verhandeln diese Banken mit russischen Kreditorganisationen über eine Beteiligung an ihrem Stammkapital“, so Al Baker. In erster Linie gehe es für die Araber um die Finanzierung von Unternehmen, die nach den russischen Regeln erfolgen könnte, allerdings nur in bestimmten Bereichen (außer der Finanzierung von Spielbanken, der Alkohol- und Schweinefleischproduktion usw.). Der Vizepräsident der Al Baraka-Bank, Khalid al Qattan, bestätigte, dass Verhandlungen mit mehreren russischen Banken geführt werden.

    Die Al Baraka Banking Group handelt im Nahen Osten, in Asien, Europa und Afrika. Das Hauptquartier der Bank liegt in Manama. Ende 2014 lag der operative Gewinn bei 396 Mio. Dollar und der Reingewinn bei 275 Mio. Dollar. Al Baraka ist die viertgrößte unter allen islamischen Banken.

    Die sudanische Al Shamal Islamic Bank ist eines der größten Finanzinstitute in diesem Land und in ganz Nordafrika. Das Aktienkapital beträgt umgerechnet 44 Mio. US-Dollar. Die gesamten Aktiva der Bank lagen 2013 bei 230 Mio. Dollar.

    Das wichtigste Merkmal des islamischen Bankwesens ist das Verbot für die Wucherei. Deshalb sehen die meisten islamischen Bankinstrumente den Ratenverkauf von Waren zu erhöhten Preisen vor. In Russland aber sind Banken jegliche Handelsaktivitäten untersagt.

    Da aber russischen Banken der Zutritt zum europäischen und amerikanischen Markt verwehrt bleibt, ist die Wende gen Osten nicht überraschend. Konkrete Schritte in diese Richtung wurden jedoch bisher nicht gemacht. Dem Präsidenten der Islamischen Entwicklungsbank (IDM), Ahmal Ali Al Madani, zufolge könnten gewisse Fortschritte im Juni gemacht werden, wenn er Russland besuchen und sich unter anderem mit der Zentralbankchefin Elvira Nabiullina treffen wird.

    „Mehrere islamische Banken verhandeln derzeit tatsächlich über ein Engagement auf dem russischen Markt mithilfe russischer Partner“, sagte der Berater des Ministerpräsidenten der russischen Teilrepublik Tatarstan, Linar Jakupow. „In Russland leben mehr als 20 Millionen Muslime, und es bestehen natürliche Voraussetzungen für die Entwicklung islamischer Banken“, sagte die Exekutivdirektorin für Entwicklung des bahrainischen Rats für Wirtschaftsentwicklung, Vivian Jamal.

    Laut einer Quelle zeigen islamische Banken Interesse nicht für russische kleinere Banken in Regionen mit vielen muslimischen Einwohnern, sondern für Banken aus den Top 30. „Unter anderem brauchen die MDM-Bank und die Uralsib-Bank dringend zusätzliches Kapital“, so die Quelle. Aber auch russische Großbanken wie Sberbank und VTB seien an bahrainischen Partnern interessiert, so Abdul Rahman Al Baker weiter. „Beide Banken haben sich über die Möglichkeiten für die Eröffnung ihrer Vertretungen bei uns erkundigt“, betonte er.

    Russische Geldinstitute wollen jedoch ihr Interesse auf diesem Gebiet offenbar nicht an die große Glocke hängen. „Wir planen keine Expansion auf dem bahrainischen Markt, aber unsere Tochterbank Denizbank hat eine Filiale in Bahrain, die als Booking Office funktioniert, also ohne Privat- oder Geschäftskunden zu bedienen“, so ein Sberbank-Sprecher.

    Der Chef von VTB Capital im Nahen Osten und in Afrika, Makram Abbud, sagte, dass seine Bank seit 2009 ein Büro in Dubai habe. „Derzeit haben wir keine Pläne für die Eröffnung von neuen Büros in der Region.“

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    VTB, Al Shamal, Al Baraka, Linar Jakupow, Khalid al Qattan, Russland