20:30 26 Juni 2019
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    US-Atomraketen B-61

    Im Nahen Osten droht ein atomares Wettrüsten

    © Foto : US Department of Defense / SSGT Phil Schmitten
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Im Nahen Osten könnte es zu einem nuklearen Wettrüsten kommen, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

    Beim jüngsten Besuch der südkoreanischen Präsidentin Park Geun-hye in Saudi-Arabien wurde ein Abkommen über den Bau von zwei Atommeilern innerhalb von 20 Jahren unterzeichnet. Der Vertrag wird auf 20 Milliarden Dollar geschätzt.

    Zuvor hatte der frühere Chef des saudi-arabischen Nachrichtendienstes, Prinz Turki ibn Faisal, angekündigt, dass Riad sein nukleares Potenzial ausbauen würde, um eventuell dem Iran widerstehen zu können. Dabei kämen unter anderem Urananreicherung und die Entwicklung von waffenfähigem Plutonium infrage.

    Nach "Wall Street Journal"-Angaben fürchtet man in Washington sowie in einigen arabischen Ländern, dass sich die Konfrontation zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, die in Syrien, im Irak, im Libanon und in Jemen zu beobachten ist, in ein richtiges nukleares Wettrüsten ausarten könnte.

    Mehrere arabische Länder hatten Washington gewarnt, dass Riad andere Länder um Hilfe bei der Entwicklung von Atomwaffen bitten oder diese einfach kaufen könnte. „Saudi-Arabien könnte Hilfe von Pakistan erhalten“, so Robert Eichhorn, früherer Mitarbeiter der Obama-Administration, der an den Sechser-Gesprächen über das iranische Atomprogramm teilgenommen hatte.

    „Südkorea ist derzeit einer der wenigen Staaten, die diverse Nuklearenergie- Objekte bauen können, und zwar ziemlich günstig“, sagte der Direktor des russischen Zentrums für gesellschaftspolitische Forschungen, Wladimir Jewssejew. „Die Republik Korea baut Meiler, aber der Westen hat ihr verboten, Anlagen zur Urananreicherung und zur Verarbeitung von nuklearen Raketenbrennstoffen zu bauen, die für die Plutoniumproduktion genutzt werden könnten. Möglicherweise werden Forschungen dieser Art in Saudi-Arabien geführt. Eine solche Infrastruktur wird die Entwicklung von Atomwaffen voranbringen“, so der Experte.

    Falls Saudi-Arabien tatsächlich seine eigenen Atomwaffen bekommt, wäre es für die USA problematisch, den Iran unter Druck zu setzen, fuhr Jewssejew fort. Zudem verfüge Riad bereits über Mittelstreckenraketen, die es in China gekauft habe, auf die Atomsprengköpfe montiert werden könnten.

    Darüber hinaus gebe es im Nahen Osten bzw. in Nordafrika auch andere Länder wie die Türkei, die VAE und Ägypten, die Atomenergieprogramme vorantreiben, ergänzte der Experte. Künftig könnten sich Atomwaffen in der gesamten Region ausbreiten, und die Führungsrolle könnte Saudi-Arabien spielen.

    „Die USA haben viele Hebel, um Saudi-Arabien unter Druck zu setzen, besonders nach dem Tod des dortigen Königs“, so Jewssejew weiter. „Da Südkorea ihr Verbündeter ist, hoffen die Amerikaner, die Situation vor Ort kontrollieren zu können und Riad bei der Entwicklung einer Atombombe zu behindern. Es ist allerdings allgemein bekannt, dass die USA Pakistan trotz ihrer guten Beziehungen nicht von der Entwicklung einer Atombombe abhalten konnten. Zudem könnte China, das einst Pakistan unterstützt hatte, auch seinem Öllieferanten Saudi-Arabien helfen. Angesichts der Präsenz Chinas in Saudi-Arabien kann man nicht eindeutig behaupten, die USA würden die Situation dort kontrollieren“, so Jewssejew.

    2013 hatte Saudi-Arabien seine Pläne für den Bau von insgesamt 17 Atommeilern bis 2030 für mehr als 100 Milliarden Dollar verkündet. In den vergangenen Jahren haben die Saudis entsprechende Kooperationsabkommen mit China, Frankreich und Argentinien geschlossen. Auch die USA wollten mit Riad einen Vertrag über die Lieferung von Atomreaktoren abschließen, aber die Verhandlungen sind wegen einer harten Position des Weißen Hauses gescheitert.

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    Tags:
    Atomwaffen, Barack Obama, Wladimir Jewssejew, Robert Eichhorn, Prinz Turki ibn Faisal, Park Geun-hye, USA, China, Nahosten, Libanon, Ägypten, Jemen, Türkei, Südkorea, Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Saudi-Arabien, Syrien, Irak