18:11 18 August 2018
SNA Radio
    Zeitungen

    Wegen IS: Heimliches Bündnis der Erzfeinde USA und Iran

    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Nowyje Iswestija
    Terrorgruppierung Islamischer Staat (498)
    0 3510

    Die USA könnten wegen des Kampfes gegen die Terrorgruppierung Islamischer Staat (IS) den Iran von der Liste der terroristischen Organisationen bzw. Staaten streichen, schreibt die Zeitung "Nowyje Iswestija" am Donnerstag.

    Der Nationale Geheimdienstdirektor James Clapper hat dem US-Senat eine neue Liste von terroristischen Organisationen und Ländern vorgelegt, von der der Iran und die proiranische militante Hisbollah-Bewegung, die im Libanon und in Syrien aktiv ist, überraschenderweise gestrichen wurden. Sie seien keine Gefahr mehr für die nationalen Interessen der USA.

    Im vorigen Bericht, der im Januar 2014 vorgestellt worden war, standen der Iran und die Hisbollah noch auf der Schwarzen Liste. Auch in den Berichten von 2011, 2012 und 2013 wurden dem Iran ganze Kapitel gewidmet.

    Der Grund, warum Teheran und dessen schiitische Verbündeten im Libanon Clapper zufolge von der Schwarzen Liste gestrichen werden können, besteht darin, dass sie gegen den IS kämpfen. Im neuen Bericht wurde die Hisbollah nur ein Mal erwähnt, und zwar als Opfer der sunnitischen IS-Extremisten. Dabei wurde jedoch nicht erläutert, wieso die von Teheran finanzierte Organisation, die nicht nur in den USA, sondern auch in Europa als terroristisch eingestuft wird, plötzlich unter den Opfern erwähnt wurde. Der Hisbollah waren früher viele Angriffe gegen die USA und deren Verbündete vorgeworfen worden, darunter die Anschläge auf die US-Botschaft und US-Kasernen in Beirut 1983, auf ein jüdisches Kulturzentrum in Buenos Aires 1994 und auf einen Bus mit israelischen Touristen im bulgarischen Burgas vor drei Jahren.

    Laut dem Bericht wurde der Iran zwar nicht völlig von der Liste der Gefahren gestrichen, aber nur im Kontext der Cybergefahren für die US-Sicherheit erwähnt. Zudem wurde Teheran die Unterstützung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vorgeworfen. Assads Kampf gegen den IS ist aber für Washington offenbar viel wichtiger.

    Es ist nicht auszuschließen, dass die Amerikaner versuchen, Teheran zu besänftigen, damit es Zugeständnisse bei den Verhandlungen über sein Atomprogramm akzeptiert.

    Außerdem hat die Entstehung des Islamischen Staates offensichtlich das Kräfteverhältnis im Nahen Osten stark verändert. Im Westen und vor allem in Amerika hält man die sunnitischen Radikalen für besonders gefährlich, die die schiitischen proiranischen Radikalen, darunter den Iran, als ihre Gegner betrachten.

    Der russische Orientalist Wladimir Saschin schloss nicht aus, dass der US-Kongress die Hisbollah von der Liste der Terrororganisationen streichen wird. Auch ein auf den ersten Blick überraschendes Bündnis zwischen den USA und dem Iran hält er für möglich. „Natürlich wird es schriftlich kein formelles Bündnis geben. Aber faktisch könnten sie ihre Bemühungen im Kampf gegen IS bündeln“, so der Experte.

    Themen:
    Terrorgruppierung Islamischer Staat (498)

    Zum Thema:

    Terrormiliz Islamischer Staat richtet mindestens 40 Geiseln im Irak hin
    Human Rights Watch: „Islamischer Staat“ Ergebnis der Politik von USA, Irak und Syrien
    Islamischer Staat: Schlimmer als Al-Qaida
    UN: Islamischer Staat hat Waffenvorrat für zweijährigen Krieg
    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Baschar al-Assad, James Clapper, Wladimir Saschin, Nahosten, Libanon, Syrien, Iran, USA
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren