05:12 01 Dezember 2020
SNA Radio
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    0 686
    Abonnieren

    Ausländische Software-Hersteller sind besorgt über die Pläne der russischen Regierung zum so genannten „Importersatz”, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Freitag.

    Der deutsche SAP-Konzern, einer der globalen Software-Marktführer, hat dem russischen Kommunikations- und dem Industrie- und Handelsministerium ein Rahmenabkommen angeboten, dem zufolge er sich zu Investitionen in die High-Tech-Entwicklung in Russland und zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen hierzulande verpflichtet. Eine Quelle im Kommunikationsministerium bestätigte, dass ein solches Angebot eingegangen sei, betonte aber, dass ein endgültiger Beschluss noch nicht getroffen worden sei.

    Ein Insider des IT-Marktes verriet, dass SAP russischen Unternehmen Zugang zu seinen Lösungen nach dem OEM-Prinzip (Herstellung von  Produkten auf Basis der SAP-Software) gewähren will. Zudem versuchte der deutsche Konzern, den russischen Verband der Computer- und IT-Unternehmen als Lobbyist in Russland zu gewinnen. Dem Exekutivdirektor des Verbandes, Nikolai Komlew, zufolge wollte SAP herausfinden, unter welchen Bedingungen ausländische IT-Firmen gleichberechtigt mit russischen Mitbewerbern an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen könnten. Manche ausländische Unternehmen wie Siemens haben diese Initiative befürwortet, aber die russischen Mitglieder des Verbandes sprachen sich dagegen aus. „Der Verband kann bzw. darf keine Dokumente in die Regierung einbringen, die nicht von allen Mitgliedern befürwortet wurden“, erläuterte Komlew.

    SAP ist eines der größten Software-Unternehmen der Welt. Sein Börsenwert an der NYSE betrug gestern 84,77 Mrd. US-Dollar. Der Gewinn des Konzerns auf den Märkten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) belief sich 2013 nach Angaben von kartoteka.ru auf 19,7 Mrd. Rubel (445 Mio. Euro laut SAP-Bericht) und der Reingewinn auf 1,062 Mrd. Rubel. Unternehmenszahlen für 2014 liegen nicht vor.

    Nach Angaben des Nationalen Verbandes der E-Commerce-Teilnehmer entfiel der Gewinn von SAP CIS (GUS) 2013 zu mehr als 25 Prozent (5,1 Mrd. Rubel – umgerechnet etwa 115 Mio. Euro nach dem damaligen Wechselkurs) auf Aufträge von staatlichen Unternehmen. Im IT-Segment hatte nur Microsoft (11,34 Mrd. Rubel) noch mehr eingenommen.

    Im Februar hat aber das Kommunikationsministerium einen Regierungsbeschluss konzipiert, laut dem öffentliche Aufträge für ausländische Software-Hersteller zu begrenzen sind. Bei seiner Verabschiedung dürfen staatliche Unternehmen nur dann ausländische Software kaufen, wenn es keine entsprechenden in Russland hergestellten Produkte gibt.

    „Wegen der Rubelabwertung wurde die SAP-Software um etwa 50 Prozent teurer“, sagte der Präsident der Unternehmensgruppe Lanit, Georgi Gens. „SAP müsste die Preise senken und der Herstellung seiner Produkte in Russland sowie der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen in Russland mehr Aufmerksamkeit widmen, damit der Gewinn teilweise in der russischen Wirtschaft bleibt.“

    Der Branchenkenner ergänzte, dass der einzige russische Konkurrent für SAP die Software 1S sei, aber die Deutschen „haben einzigartige Lösungen sowie internationale Erfahrungen“. Auch Julia Gretschischtschewa (Asteros Consulting) stimmte zu, dass SAP in Russland keinen Konkurrenten außer 1S habe, doch „die Funktionalität der Lösungen des russischen Unternehmens ist mit denen von SAP nicht zu vergleichen.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Russlands neue Kommandozentrale: Superhirn mit eigener Software
    Kaspersky Lab enthüllt Cyberspionage-Software in 31 Ländern
    Festplatten-Spyware: Russische Geheimdienste nicht betroffen
    Kaspersky Lab: Brandneuer Festplatten-Virus griff 500 hochrangige Ziele an
    Tags:
    SAP-Konzern, Nikolai Komlew, Russland