17:47 23 Oktober 2018
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    USA rüsten sich für Cyber-Angriffe

    USA rüsten sich für Cyber-Angriffe

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    Die USA wollen sich verstärkt für Offensiven im „Cyberraum“ wappnen, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Montag.

    „Früher hatten wir vor allem in die Defensive investiert, aber jetzt ist ein Wendepunkt gekommen“, betonte der neue Leiter der Nationalen Sicherheitsagentur (NSA) und des Cyber-Kommandos, Admiral Michael Rodgers, Ende der vergangenen Woche in einer Anhörung im US-Senat. Ihm zufolge geht es um ein Abschreckungssystem wie im Atomwaffenbereich. Die größte Cybergefahr geht nach Auffassung Washingtons von Russland, China, Nordkorea und dem Iran aus.

    Rodgers verglich die aktuelle Situation mit der zu Beginn des Kalten Krieges, „als klar wurde, dass die Sowjetunion und andere Länder eine Wasserstoffbombe bauen können, und die Streitigkeiten zwischen den Großmächten der Stabilität schadeten.“ Damals haben die USA Abschreckungsmittel entwickelt, „was die Situation voraussagbar gemacht und die Konfrontation eingedämmt und am Ende zu Verhandlungen über die Rüstungskontrolle geführt hat.“

    Der Admiral räumte ein, dass der Vergleich zwischen der nuklearen und der Cybersicherheit nicht absolut ist, warnte jedoch, dass „wir unseren Gegnern nicht hinterher hinken dürfen, die entschlossen sind, ihre Segmente des Cyberraums zu kontrollieren, unser geistiges Eigentum zu stehlen und Diversionen gegen unsere Kinder zu organisieren.“

    In diesem Jahr will die US-Führung etwa 5,5 Milliarden Dollar für die Stärkung ihres militärischen Cyberpotenzials ausgeben. Aus den vom früheren NSA-Mitarbeiter Edward Snowden veröffentlichten Dokumenten geht hervor, dass die US-Geheimdienste Computerprogramme entwickeln, die gegnerische Truppenkommando- und Kontrollsysteme sowie Infrastrukturobjekte, das Bankensystem, die Strom- und Wasserversorgung usw. außer Betrieb setzen können.

    Eine Quelle in der russischen Regierung verriet, dass man in Moskau über diese Aktivitäten der Amerikaner Bescheid wisse. „Die Amerikaner befassen sich seit 2009 bzw. 2010 nicht mehr mit Cybersicherheit, (…) sondern vielmehr mit kontaktlosem destruktivem Einfluss auf kritisch wichtige Objekte des Gegners“, so die Quelle.

    Dennoch ist man in Moskau über die jüngsten Äußerungen von Admiral Rodgers besorgt. „Die meisten Länder, darunter Russland, bemühen sich um die Vorbeugung der Konfrontationen im Cyberraum. Die USA treiben aber ein Wettrüsten auf diesem Gebiet voran“, so eine Kreml-nahe Quelle. Ihr zufolge sind die Perspektiven für die Entwicklung von Cyber-Abschreckungssystemen jedoch fragwürdig, weil schädliche Computerprogramme viel leichter als eine Atombombe entwickelt und weitergegeben werden können.

    Russische Experten führten auch andere Argumente an, warum im Cyberraum eine Abschreckung kaum möglich ist. „Im Unterschied zur nuklearen Abschreckung besteht auf diesem Gebiet keine Gefahr einer garantierten gegenseitigen Vernichtung“, so Valeri Jaschtschenko vom Institut für Probleme der Informationssicherheit. „Zudem sind offensive Cybertechnologien bereits so weit entwickelt, dass es unklar ist, wer wen eindämmen muss. Falls sich die USA für einen intensiven Ausbau ihres militärischen Cyberpotenzials entscheiden sollten, wäre das kein eindämmender, sondern ein destabilisierender Faktor“, so der Experte.

    Der Leiter des russischen Zentrums für Cybersicherheit, Dmitri Michailow, verwies allerdings darauf, dass Russland auf dem Gebiet der militärischen Cyber-Technologien auf Augenhöhe mit den USA sei. „Im IT-Sektor haben wir zwar wesentliche Mängel, aber russische Hacker gehören zu den ‚besten‘ weltweit. Dabei ist nicht die materielle Basis am Wichtigsten, sondern die richtige Anwendung von mathematischen Algorithmen. Wir haben ein großes Potenzial auf diesem Gebiet, und alle haben Angst davor“, so der Experte.

    Russland und die USA hatten 2013 ein Regierungsabkommen über Vertrauensmaßnahmen im Cyberraum unterzeichnet. Unter anderem wurde dabei eine bilaterale Arbeitsgruppe für Cybersicherheit gebildet, die wegen der Ukraine-Krise allerdings auf Eis gelegt wurde. Eine Kreml-nahe Quelle verriet jedoch, dass die USA vor kurzem ihre Bereitschaft zur Wiederaufnahme der Beratungen im Bereich Cybersicherheit signalisiert haben.

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    Tags:
    Hackerangriff, Cybersicherheit, US-Senat, NSA, Valeri Jaschtschenko, Edward Snowden, Michael Rodgers, USA