16:30 26 September 2017
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    Angela Merkel und Alexis Tsipras

    Merkel und Tsipras: Kompromiss scheint gefunden

    © REUTERS/ Hannibal Hanschke
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    Rossijskaja Gaseta
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    Deutschland braucht ein starkes Griechenland, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel nach ihrem Treffen mit dem griechischen Premier Alexis Tsipras gesagt hat, schreibt die Zeitung "Rossijskaja Gaseta" am Dienstag.

    Bei ihrem gestrigen Gespräch in Berlin hielten sich die gegenseitigen Vorwürfe in Grenzen. Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone wurde nicht erörtert. Anders hätte das auch nicht kommen können, denn dies würde im Grunde ein Ende der politischen Laufbahn Merkels bedeuten, die jedoch nicht als Totengräberin der EU in die Geschichte eingehen will.

    Dennoch hat die Kanzlerin klar zu verstehen gegeben, dass deutsche Finanzhilfen für Athen nicht in Frage kämen. „Ich kann nichts in Aussicht stellen, zusagen, schon gar nicht Liquidität“, betonte sie und ergänzte, dass das Thema Schuldentilgung nicht zu ihrem Zuständigkeitsbereich gehöre. Deutschland sei schließlich nur eines der insgesamt 19 Mitgliedsländer der Eurogruppe.

    Tsipras schien aber die deutschen Finanzspritzen nicht mehr zu brauchen. In Bezug auf  das umstrittene Thema Reparationen für die von deutschen Nazis während des Zweiten Weltkriegs begangenen Verbrechen, betonte er, dass es sich dabei nicht um den materiellen, sondern um den moralischen Aspekt handele. Nach seinen Worten hat niemand vor, deutsches Eigentum in Griechenland zu beschlagnahmen. Zugleich kritisierte er die Medien, weil sie Merkel in letzter Zeit oft mit den Nazis verglichen. „Das heutige Deutschland hat nichts mit dem Dritten Reich zu tun, das so viele blutige Opfer gefordert hatte“, so der griechische Premier. „Wir müssen dieses Kapitel schließen und zusammen an unserer gemeinsamen Zukunft arbeiten.“

    Vizekanzler Sigmar Gabriel
    © Flickr/ Ralph Alswang,Center for American Progress Action Fund
    Ferner äußerte er sich sehr negativ über das Griechenland von der EU aufgezwungene Sparprogramm. „Dieses Programm ist keine Erfolgsstory für uns“, so Tsipras. „Es hatte schreckliche Folgen für unsere Wirtschaft.“ Gleichzeitig räumte er jedoch ein, dass Griechenland an seinen Problemen selbst schuld sei. Zudem beteuerte er seine Kooperationsbereitschaft. „Wir müssen einander besser verstehen. Außer einem Dialog gibt es keinen anderen Weg zur Überwindung der aktuellen Schwierigkeiten.“

    Gegenseitige Vorwürfe sind Tsipras zufolge unnötig. „Die Griechen sind nicht faul, und die Deutschen können nichts für die Probleme Griechenlands. Wir müssen hart arbeiten, um diese schrecklichen Stereotype zu überwinden“, sagte er auf einer Pressekonferenz nach den Verhandlungen mit Merkel.

    Merkel brachte die Hoffnung auf eine baldige Erholung Griechenlands zum Ausdruck. „Wir möchten, dass Griechenland wirtschaftlich stark ist“, unterstrich sie. Besonders wichtig sei, die Jugendarbeitslosigkeit zu überwinden. Tsipras stimmte im Gegenzug zu, dass die Eurogruppe und die Troika, gegen die er sich zuvor ausgesprochen hatte, ihre Arbeit in Griechenland fortsetzen sollten.

    Zugleich versprach er „umfassende Strukturreformen“ und bedauerte, dass Athen es in den vergangenen fünf Jahren nicht geschafft habe, seine Probleme in den Griff zu bekommen. „Es gibt innere Ursachen für die Griechenland-Krise“, räumte Tsipras ein. „Wir müssen eine neue politische Konstellation schaffen, um dieses Übel zu beseitigen.“ Es sei „an der Zeit, Strukturreformen in Griechenland durchzuführen und gegen die Korruption und Steuerhinterziehung zu kämpfen“.

    Heute wird sich Tsipras mit Vertretern der Linken treffen — mit ihrer Kovorsitzenden Katja Kipping und mit Fraktionschef Gregor Gysi.  Im Mittelpunkt der Gespräche werden Wirtschaftsreformen und die Zukunft des Euro stehen.

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    Tags:
    EU, Die LINKE-Partei, Angela Merkel, Katja Kipping, Alexis Tsipras, Deutschland, Griechenland
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