18:25 20 September 2017
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    Kapitalflucht aus Eurozone intensiviert sich

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    Die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat zu einem massiven Kapitalabfluss aus der Eurozone geführt, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Nach Angaben des „Wall Street Journal“ lag der reine Kapitalabfluss aus der Eurozone im letzten Quartal des vergangenen Jahres bei 124,4 Milliarden Euro. In den meisten Fällen ist das Geld in die USA sowie in europäische Länder geflossen, die nicht zur Eurozone gehören – Dänemark und die Schweiz.

    In weniger als einem Jahr verlor der Euro rund 22 Prozent gegenüber dem US-Dollar. Im vergangenen Monat sankt der Euro auf 1,05 US-Dollar. Der Euro war seit zwölf Jahren nicht mehr so schwach gegenüber der US-Währung. Experten zufolge hängt dies nicht nur mit Spekulationen, sondern auch mit dem Rückzug der größten Akteure vom Markt zusammen.

    Die Senkung der Zinssätze auf ein rekordtiefes Niveau und das von der EZB angekündigte Programm der qualitativen Lockerung bewegten die europäischen Investoren zu einer neuen Strategie — viele von ihnen zogen in die USA. Nach Angaben des US-Finanzministeriums stiegen die Investitionen in Staatsanleihen im vergangenen Jahr um 374,3 Milliarden US-Dollar. Diese Tendenz bleibt auch in diesem Jahr bestehen. Dem Beispiel der europäischen Investoren folgten auch die Zentralbanken Chinas und der reichen Ölförderstaaten im Nahen Osten.

    Zugleich sind die europäischen Wertpapiere und Anleihen trotz des Euro-Rückganges deutlich gestiegen. Das hängt vor allem mit der Politik der qualitativen Lockerung der EZB zusammen, die die Investoren dazu bewegen sollte, in riskantere Aktiva anzulegen. Gleichzeitig will die Europäische Zentralbank aktiver Anleihen ankaufen, was dabei helfen soll, den Markt selbst beim Rückzug einiger Akteure aus der Eurozone zu versorgen.

    Die europäischen Länder, die nicht zur Eurozone gehören, mussten das Problem mit dem Zustrom der Investoren selbstständig lösen. Dänemark verringerte im vergangenen Jahr viermal die Zinssätze, um die ausländischen Investoren von dem Wunsch abzubringen, in die Krone zu investieren. Die Schweiz schaffte im Januar die Untergrenze des Wechselkurses für den Franken ab. Anschließend verlor die Schweizer Währung im Laufe eines einzigen Tages 40 Prozent an Wert.

    „Alles hängt mit den Strömen zusammen“, sagte Roger Hallam von JP Morgan Asset Management. Dem Experten zufolge wird die europäische Währung auch in diesem Jahr an Wert verlieren.

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    Tags:
    Europäische Zentralbank (EZB), Wall Street Journal, USA, Dänemark, Schweiz
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