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    Gazprom stockt Gasexport nach Europa auf

    Gazprom stockt Gasexport nach Europa auf

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    Russlands Gasexport nach Europa könnte nach dem Einbruch im vierten Quartal 2014 und im Januar bzw. Februar dieses Jahres wieder wachsen, schreibt die Zeitung "Wedomosti" am Mittwoch.

    Im März habe der Energieriese Gazprom nach vorläufigen Angaben 13,5 Milliarden Kubikmeter Gas (gegenüber 13,79 Milliarden Kubikmeter im März 2014) nach Europa gepumpt, verriet eine dem Unternehmen nahestehende Quelle. In den kommenden Monaten könnte der Gasexport weiter wachsen, erwarten Experten von Goldman Sachs. Ihnen zufolge wird er in diesem Jahr um zehn Prozent auf 166 Milliarden Kubikmeter – auf das Rekordniveau von 2014 – zulegen.

    Im September 2014 hatte der Konzern den Gasexport nach Europa eingeschränkt, um Reverse-Lieferungen in die Ukraine zu verhindern, die den Brennstoff von der Slowakei erhielt. Deshalb schrumpften die Gaslieferungen nach Europa im vierten Quartal um 24 Prozent auf 33,4 Milliarden Kubikmeter. Im Januar und Februar gingen sie um weitere 28 Prozent auf 21 Milliarden Kubikmeter zurück. Dadurch verlor Gazprom Medienberichten zufolge fünf bis sechs Milliarden Dollar – als entgangener Gewinn und als Strafen für die Minderlieferungen.

    Jetzt aber erhöht Gazprom die Gaslieferungen nach Europa wieder, nachdem sich Präsident Wladimir Putin im März mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi und Gazprom-Chef Alexej Miller mit seinem Wintershall-Kollegen Rainer Seele getroffen hat. (Seele wird demnächst den Vorstand im österreichischen Konzern OMV übernehmen, einem weiteren wichtigen Gazprom-Abnehmer.)

    Die Einzelheiten dieser Gespräche sind unbekannt. Laut Quellen wurden dabei in beiden Fällen die Perspektiven der Pipeline Turkish Stream erörtert. Einen Tag später erklärte Putin, die Gaslieferungen nach Europa sollten wieder im vollen Umfang erfolgen. Derzeit werden nach Europa laut einem Insider mehr als 400 Millionen Kubikmeter Gas täglich exportiert (inklusive des Gazprom-Gases, das aus den europäischen unterirdischen Depots kommt). Zwei andere Quellen behaupten, der Export liege sogar bei mehr als 450 Millionen Kubikmeter täglich – gegenüber 350 Millionen Kubikmeter im Januar und Februar.

    Die Goldman-Sachs-Experten verwiesen allerdings darauf, dass die europäischen Kunden selbst nicht allzu viel Gas von Russland kauften, weil die Gaspreise – genauso wie die Ölpreise – fallen sollen, allerdings mit einer „Verspätung“ von sechs bis neun Monaten. Deshalb werden die Preise für das russische Gas vor allem im zweiten und dritten Quartal besonders niedrig sein. 2014 habe der Durchschnittspreis bei 340 bzw. 345 Dollar pro 1000 Kubikmeter gelegen, so die Goldman-Sachs-Experten. Im dritten Quartal könnte er auf 230 Dollar fallen. Das werde negative Folgen für Gazproms Gewinne haben.

    Die Goldman-Sachs-Prognosen sind allerdings noch optimistischer als die von Gazprom selbst. Im Februar hatte Vize-Vorstandschef Alexander Medwedew vermutet, der Export nach Europa könnte zwischen 2015 und 2017 auf 155 bis 160 Milliarden Kubikmeter aufgestockt werden. Russlands Energieminister Alexander Nowak geht sogar davon aus, dass der Gasexport in diesem Jahr „auf dem Niveau von 2014 oder etwas höher liegen“ kann.

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    Tags:
    Gaslieferung, Erdgas, Goldman Sachs, Wintershall, EU, Gazprom, Rainer Seele, Alexander Medwedew, Alexej Miller, Russland