07:13 21 Februar 2020
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    Experten zufolge versucht Deutschland zwar die Energieabhängigkeit von Russland abzubauen, aber das wird jedoch nicht sehr bald geschehen, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Donnerstag.

    Das Bundeskabinett hat ein Gesetz gebilligt, das die Schiefergas-Förderung regeln soll, berichtete die Deutsche Welle. Jetzt soll der Gesetzentwurf dem Bundestag vorgelegt werden.

    In Deutschland gilt de facto ein Fracking-Verbot – diese Fördermethode ist derzeit weder verboten noch erlaubt. Der erste Anlauf zur Fracking-Regelung wurde 2013 unter Verweis auf erfolgreiche Probebohrungen von 2008 unternommen. Doch damals wurde das Gesetz wegen Umweltrisiken nicht verabschiedet.

    Im neuen Gesetzentwurf geht es ebenfalls formell um das Fracking-Verbot, es gibt jedoch Ausnahmen, so die Chefanalystin von Vygon Consulting, Maria Belowa. Das kommerzielle Fracking wird bis 2019 verboten bleiben, bislang ist dieses Verfahren nur für Wissenschafts- und Forschungsziele erlaubt. Fracking soll in sensiblen Gebieten, etwa Wasserschutzgebieten, sowie für Bohrtiefen oberhalb von 3.000 Metern verboten bleiben.

    Fracking
    © Flickr / www_ukberri_net
    Die in den USA entwickelte Fracking-Technologie gilt bereits jetzt als umweltfreundlich, so der Experte von East European Gas Analysis, Michail Kortschemkin. Deswegen gebe es keine ernsthaften Gründe für die Aufrechterhaltung des Verbots. Zudem müsste Deutschland weniger Gas und Öl importieren.

    Gas werde derzeit vor allem für die Heizung der privaten Haushalte und Öl für die Benzinproduktion genutzt, so Kortschemkin. Strom wird in vielen Städten aus alternativen Quellen gewonnen.

    Nach Bloomberg-Angaben werden die Schiefergas- und Ölvorräte in Deutschland für mindestens weitere 30 Jahre ausreichen. Die Schätzungen der Schiefergasvorräte schwanken. Nach Angaben des GeoForschungsZentrums (GFZ) liegen sie bei 700 Millionen bis 2,228 Milliarden Kubikmetern.

    Laut dem Analyst Kirill Tatschinnikow will Deutschland sein Energiepotential stärken, es wäre jedoch zweckmäßiger, bei einem Ölpreis von 80 US-Dollar auf traditionelle Rohstoffquellen zu verzichten. Die Förderung der Schieferressourcen sei in Europa derzeit noch kaum rentabel, so Belowa.

    Nach GFZ-Angaben importiert Deutschland derzeit etwa 70 Prozent der Energieressourcen. Bis 2022 sollen alle Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden. Sie deckten bisher  bis zu 22 Prozent des Energieverbrauchs.

    Der größte Gas- und Öllieferant Deutschlands ist Russland. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur liegt der Anteil Russlands bei den Gaslieferungen bei 38 Prozent, bei Öllieferungen bei 35 Prozent. Doch selbst wenn Deutschland mit einer erfolgreichen Förderung beginne, werde sich für Russland bis 2025 prinzipiell nichts ändern – bis zu diesem Jahr laufen die meisten Verträge aus, so Belowa.

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    Tags:
    Atomenergie, Energiebereich, Fracking, Erdöl, Erdgas, Schiefergas, GeoForschungsZentrum (GFZ), Kirill Tatschinnikow, Michail Kortschemkin, Maria Belowa, USA, Russland, Deutschland