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19:40 23 Juli 2019
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    Huthi-Schiiten in Jemen

    Experten warnen Saudi-Arabien vor Bodenoffensive im Jemen

    © AP Photo / Hani Mohammed
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    Militäroperation in Jemen (71)
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    Die Luftangriffe der von Saudi-Arabien angeführten internationalen Koalition gegen die Huthi-Rebellen haben vorerst keine Wende bei den Kämpfen im Jemen gebracht, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Freitag.

    Die Koalitionstruppen sind den Huthi nur auf dem Papier überlegen, obwohl die Rebellen nur den Süden des Landes kontrollieren und nur mit der Unterstützung der schiitischen Minderheit rechnen können, die lediglich ein Drittel der Gesamtbevölkerung des Landes ausmacht.

    Nach Luftschlägen in Jemen
    © AP Photo / Hani Mohammed
    Ihnen widersteht aber die saudische Armee, die in den Grenzgebieten etwa 150 000 Soldaten zusammengezogen hat. Unterstützt wird sie durch Ägypten, dessen Marine bereits Huthi-Stellungen beschossen hat. Besonders gefährlich für die Huthi ist aber die ägyptische Armee, die mehr als 400 000 Soldaten zählt. 

    Ägypten hat allerdings keine gemeinsame Grenze mit Jemen, so dass seine Truppen entweder per Schiff oder über Saudi-Arabien nach Jemen geschickt werden müssten. Das würde jedoch viel Zeit in Anspruch nehmen und wäre mit Schwierigkeiten wegen der dortigen Berglandschaft verbunden.

    Die anderen Koalitionsmitglieder haben entweder zu kleine Armeen (Bahrain, Katar, Kuwait, VAE) oder sind zu weit entfernt vom Jemen (Marokko, Sudan, Jordanien). Bei einer Bodenoffensive könnten sie deswegen nur eine Hilfsrolle spielen. Die größte Last müsste also Saudi-Arabien übernehmen, denn Ägypten, das in den letzten Jahren auf große Wirtschaftsprobleme gestoßen ist, könnte eine Verlegung seiner Truppen in Richtung Jemen kaum selbstständig finanzieren.

    Aus rein militärischer Sicht besteht das größte Problem der Koalitionstruppen darin, dass sie im Jemen keine richtigen Verbündeten haben. Theoretisch könnte Saudi-Arabien, das sich als Verteidiger der traditionellen sunnitischen Werte (im Kampf gegen die schiitischen Huthi) gibt, mit der Unterstützung seiner Glaubensgenossen im Jemen rechnen. In der Praxis sieht es jedoch anders aus.

    Die Anhänger des gestürzten sunnitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi leisten den Huthi-Rebellen keinen Widerstand. In vielen sunnitischen Gebieten kapitulieren die Einheimischen. Inzwischen kontrollieren die Huthi nach eigenen Angaben 90 Prozent der Hafenstadt Aden. Die von "Kommersant" befragten Experten warnen, dass die Straßenkämpfe in der Stadt mit ihren 800 000 Einwohnern zu großen Verlusten der Koalitionstruppen und unter den Stadteinwohnern führen könnten.

    Die größten Erfolgschancen haben die Koalitionskräfte in den südlichen Gebieten Jemens mit einer sunnitischen Mehrheit. Dort könnten die Schiiten nicht mit der Unterstützung der Einwohner rechnen und deshalb keinen Partisanenkrieg organisieren. Ganz anders ist die Situation jedoch in den nördlichen Bergregionen, wo die schiitische Minderheit konzentriert ist. Dort könnten die Koalitionskräfte große Verluste erleiden, falls sie versuchen solten, diese Gebiete unter ihre Kontrolle zu nehmen.

    Angriffe der saudischen Luftwaffe auf Jemen
    © REUTERS / Khaled Abdullah

    Ein Krieg in den Bergregionen mit schiitischer Bevölkerung wäre sehr problematisch, so der in den Vereinigten Arabischen Emiraten lebende russische Orientalist Alexander Schischkin. „2009 hatten saudische Truppen bereits versucht, einen Einsatz gegen die Schiiten durchzuführen, und mussten große Verluste tragen. Auch diesmal könnte etwas Ähnliches passieren.“

    Für wahrscheinlicher hält der Experte ein anderes Szenario: Die Koalitionskräfte würden die nördlichen Schiiten-Gebiete meiden und die Huthi-Rebellen von der Küste vertreiben. Dann würden sie die wichtigste Aufgabe lösen, und zwar den Öltransit sichern. Zudem würden die Huthi in diesem Fall keine Unterstützung mehr seitens des Irans bekommen. „Für ein solches Szenario würde ein relativ kleines Kontingent, beispielsweise zwei Landungsbrigaden, genügen“, so Schischkin.

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    Tags:
    Alexander Schischkin, Abed Rabbo Mansur Hadi, Saudi-Arabien, Jordanien, Sudan, Marokko, Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Kuwait, Katar, Bahrain, Ägypten, Jemen