18:22 15 November 2019
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    Präsidenten von Russland, Iran, Kasachstan und Turkmenistan bei der Kaspi-Gipfel 2014

    Zentralasien: USA wollen Russland verdrängen

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    Die USA wollen ehemaligen zentralasiatischen Sowjetrepubliken helfen, wenn sie auf ein Zusammenwirken mit Russland verzichten, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Montag unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters.

    Kasachstan kündigte vor kurzem eine neue gemeinsame Militärübung mit der Nato an. Turkmenistan bat Washington um Hilfe beim Schutz der Grenze zu Afghanistan. Die Amerikaner wollen den zentralasiatischen Ländern in Sachen Sicherheit und Stabilität aber nur helfen, wenn sie ihre Abhängigkeit von Russland abbauen.

    Bereits im März hatte das US-Außenministerium seine neue Entwicklungsstrategie der Beziehungen zu den zentralasiatischen Ländern veröffentlicht, laut der die neue Art der Kontakte mit dieser Region eine effizientere Bekämpfung der Terrorgruppierung Islamischer Staat (IS) ermöglichen soll. „Warum sich die USA um die Länder Zentralasiens kümmern? Schauen Sie sich die Weltkarte an“, zitierte Reuters den für Süd- und Zentralasien zuständigen Vize-Assistenten des US-Außenministers, Richard Hoagland.

    Westliche Medien berichteten unter Berufung auf Pentagon-General Lloyd Austin, Turkmenistan hätte Washington gebeten, bei der Festigung seiner Grenze zu Afghanistan zu helfen.

    „Turkmenistan, das eine Politik der Neutralität ausübt, hat dadurch unsere Möglichkeiten für eine militärische Kooperation verringert. Aber wir tun unser Bestes, um diese Bitte zu erfüllen“, so der US-General.

    Angesichts der offiziellen Äußerungen des US-Außenministeriums kann man aber wohl keine eindeutigen Schlüsse ziehen, dass Washington nur dann helfen wolle, wenn das jeweilige Land auf Kontakte zu Russland verzichtet. Reuters zitierte auch Vizeaußenminister Antony Blinken: „Wir befürworten voll und ganz die Bemühungen der zentralasiatischen Länder um eine Mehrvektorenpolitik im Außen- und im Wirtschaftsbereich.“ Der Diplomat verwies jedoch darauf, dass Russlands Handlungen in seinen Grenzgebieten, „darunter die Verletzung der territorialen Integrität und Souveränität der Ukraine“, das Fundament der Weltordnung verletzen, und dass die zentralasiatischen Länder „die von Russland ausgehenden Gefahren besser als jemand sonst verstehen.

    Was die Beziehungen Turkmenistans zu Russland angeht, so sind die turkmenischen Gaslieferungen nach Europa eines der ungelösten Probleme. Es geht um eine Kaspi-Pipeline. Die Pipeline kann derzeit nicht gebaut werden, weil der rechtliche Status des Kaspischen Meeres immer noch nicht geregelt ist, weshalb alle Anrainer dem Pipelinebau zustimmen müssen. Falls bzw. nachdem das Kaspische Meer zwischen den Anrainern aufteilt wird, können diese über die Umsetzung von Projekten in ihrem Hoheitsgewässer selbst entscheiden. „In diesem Fall würde das turkmenische Gas mit dem russischen Brennstoff in Europa konkurrieren“, hatte der stellvertretende Chefredakteur des Fachmagazins „Neft und Kapital“ („Öl und Kapital“) Igor Iwachnenko im September 2014 erläutert.

    Bereits vor vier Jahren hatten von der "Nesawissimaja Gaseta" befragte Experten gewarnt, dass eine offene Konfrontation mit Russland und eine Vernachlässigung seiner Position in dieser Frage zu einem bewaffneten Konflikt führen könnten. „Der Westen unterschätzt Moskaus Entschlossenheit, Gewalt anzuwenden, um die Umsetzung von Pipeline-Projekten im Kaspiraum zu verhindern. Das hat nicht nur wirtschaftliche, sondern vielmehr militärpolitische Gründe“, hatte die "Nesawissimaja Gaseta" am 22. November 2011 geschrieben. Seit dieser Zeit hat sich die Situation kaum verändert.

    Bis zuletzt war Russland der größte Gasimporteur Turkmenistans. In letzter Zeit verkauft dieses Land sein Gas vor allem an China und den Iran. Der Export in die Volksrepublik hat inzwischen 95 Milliarden Kubikmeter pro Jahr erreicht.

    Der Bau der Kaspi-Pipeline werde durch ungeregelte kommerzielle Fragen behindert, sagte der Öl- und Gasexperte Michail Krutichin. „Gegen dieses Projekt tritt vor allem Russland auf, denn das turkmenische Gas würde mit dem russischen in Europa konkurrieren. Zudem hat China als größter regionaler Teilnehmer des Gasmarktes nichts gegen dieses Projekt.“

    Peking habe wichtige Interessen in Zentralasien, stimmte Wladimir Scharichin vom russischen Institut für GUS-Länder zu. „China investiert intensiv in die Region, ohne seine Investitionen für einen politischen Druck zu nutzen. Falls aber die USA versuchen, ihren Einfluss auf Turkmenistan auszubauen, würde das der Volksrepublik nicht passen. Dann würden die USA riskieren, sich nicht nur mit Russland, sondern auch mit China zu zerstreiten. Dann könnte Peking gemeinsam mit Moskau den Amerikanern Widerstand leisten“, so der Branchenkenner.

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    Tags:
    Erdgas, NATO, GUS, Michail Krutichin, Antony Blinken, Lloyd Austin, Richard Hoagland, USA, Russland, Ukraine, China, Turkmenistan, Kasachstan, Afghanistan