19:12 29 März 2017
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    Die ukrainische Fahne

    Deutsch-ukrainische Historikerkommission auf Propagandakurs

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    Iswestija
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    Moskau würde auf antirussische Propaganda der deutsch-ukrainischen Historikerkommission zur Erforschung der ukrainischen Geschichte reagieren, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Mittwoch.

    Russlands Präsident Wladimir Putin in Staraja Russa
    © Sputnik/ Alexei Nikolsky
    Die Geschichte der Ukraine soll „ohne politische Voreingenommenheit“ mit Hilfe der deutsch-ukrainischen Kommission neu erforscht werden. Die Kommission wurde auf Betreiben von deutschen Historikern ins Leben gerufen. Zu der Kommission gehören zehn Professoren – jeweils fünf von jeder Seite.

    Laut deutschen Medien hat sich die Kommission zum Ziel gesetzt, der Ukraine zu einer eigenständigen politischen Gestalt zu verhelfen sowie der Ideologisierung der historischen Ereignisse und den Manipulationen der Putin-Propaganda entgegen zu wirken.

    Wie der Vorsitzende des Deutschen Historikerverbandes, Martin Schulze Wessel, betonte, wurde die Ukraine in der deutschen Wahrnehmung, teilweise auch in der Fachwissenschaft, allzu lange nur als Zwischenraum oder als Einflusssphäre ohne eigene Geschichte wahrgenommen.

    Die Historiker wollen den Holodomor (Hungersnot), mehrere Gewalterscheinungen von 1930 bis 1940 sowie die „einseitige Darstellung der historischen Persönlichkeiten wie Stepan Bandera” erforschen.

    In Moskau betrachtet man die gegründete Historikerkommission mit Skepsis. Wie der Vorsitzende des Staatsduma-Ausschusses für Auswärtiges, Alexej Puschkow, sagte, ist keine objektive Einschätzung der historischen Ereignisse zu erwarten, wenn Politik und geopolitische Ziele eine so große Rolle spielen. Zudem werde die ukrainische Seite dabei eine neue offizielle nationalistische Ideologie der Ukraine vertreten.

    Die Erforschung der Geschichte der Ukraine sei Propaganda, die auf die Verzerrung von offensichtlichen Fakten, die Heroisierung der Ukrainischen Aufständischen Armee und Bandera basiere, so Puschkow. Doch dabei werde nicht nur die Ukraine zum Sprachrohr von Manipulationen. Auch Deutschland werde von Propaganda beeinflusst. Wenn man deutsche Medien lese, erhalte man ein absolut realitätsfernes Bild von dem Geschehen in der Ukraine. Uns werde erzählt, dass die Ukraine gegen Separatisten kämpfe, die sie bedrohen. Doch die Aufständischen blieben in ihren Gebieten und verteidigen ihr Land, so Puschkow. Es handele sich um Propaganda, die auf den Ausbau des politischen Einflusses Deutschlands in der Ukraine gerichtet sein werde.

    Wie der russische Historiker Alexander Tschubarjan betonte, darf die Kommission weder ideologisiert noch politisiert werden und muss die realen Prozesse der ukrainischen Geschichte wiederspiegeln. Vieles werde von der deutschen Seite abhängen, inwieweit sie die ukrainischen Kollegen davon überzeugen kann, eine objektive und wissenschaftliche Position einzunehmen. Falls die Kommission eindeutig propagandistische Züge annehme, werde Russland darauf unverzüglich reagieren, so der Experte.

    Tags:
    Propaganda, Holodomor (Hungersnot), Deutsch-ukrainische Historikerkommission, Alexander Tschubarjan, Alexej Puschkow, Stepan Bandera, Wladimir Putin, Martin Schulze Wessel, Russland, Ukraine, Deutschland
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