17:33 14 Dezember 2018
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    Russe will seinen Kopf transplantieren lassen

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    Rossijskaja Gaseta
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    Ein gelähmter russischer Programmierer könnte der erste Mensch werden, dessen Kopf auf einen fremden Körper transplantiert wird, schreibt die “Rossijskaja Gaseta” am Freitag.

    Der italienische Neurochirurg Sergio Canavero kündigte vor kurzem an, eine solch riskante Operation durchführen zu wollen. Ihm zufolge würde bei einem positiven Ausgang der Operation der Patient sich bewegen, mit seiner vorigen Stimme sprechen und das eigene Gesicht fühlen können. Nach einem Jahr Physiotherapie könnte er sogar auf den Beinen stehen.

    Der 30-jährige Russe Walerij Spiridonow hat eine seltene und unheilbare genetische Erkrankung, das Werdnig-Hoffmann-Syndrom — eine Schädigung des Rückenmarks. Menschen mit diesem Gendefekt leben in der Regel nicht mehr als 20 Jahre.

    “Ich habe ein wunderbares Leben, aber die Krankheit schreitet voran. Vielleicht werde ich in naher Zukunft sogar meine Hände nicht mehr bewegen können. Man kann herumsitzen und warten, aber man kann auch seine Chance nutzen und einen Beitrag für die Wissenschaft leisten“, sagt Spiridonow. Er gibt jedoch zu, dass er auch nicht der erste sein könnte, weil Canavero reichlich Bewerber hat.

    Trotz Kritik seiner Kollegen ist der italienische Neurochirurg vom Erfolg der Operation überzeugt. Den detaillierten Ablauf will er im Juni auf einer Konferenz der Amerikanischen Akademie für orthopädische Chirurgie und Neurologie vorstellen.

    Nach Angaben von Canavero müssen bei der Transplantation, die mehr als 36 Stunden dauern wird, 100 Chirurgen eingesetzt werden. Der Höhepunkt der Operation – das Abtrennen des Kopfes und seine Transplantation auf einen neuen Körper – soll nicht mehr als eine Stunde dauern.

    Die Operation des Russen, die etwa elf Millionen US-Dollar kosten soll, könnte bereits 2016 stattfinden.

    Alle Versuche der „Rossijskaja Gaseta“, mit Canavero Kontakt aufzunehmen und seine Motive zu verstehen, scheiterten jedoch. Selbst bei Wikipedia ist sein Lebenslauf nicht zu finden. Nicht einmal eine Webseite von ihm existiert. Es ist unklar, wie er seine Kunden findet. Bekannt ist nur, dass Canavero „ein Neurochirurg aus Turin“ ist.

    Im Krankenhaus Molinette in Turin, in der Canavero als Neurochirurg arbeitete, hat man seit einem Jahr nichts mehr von ihm gehört. „Canavero arbeitet seit langer Zeit nicht mehr bei uns. Wir wissen nicht, wo er jetzt ist. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er nach Amerika gezogen ist“, sagen seine ehemaligen Kollegen. Die Mehrheit der italienischen Neurochirurgen ist der Meinung, dass seine Methoden rein theoretisch sind und er "eine Person der Medien" ist.

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    Tags:
    Werdnig-Hoffmann-Syndrom, Krankheit, Physiotherapie, Neurochirurgie, Transplantation, Valeri Spiridonow, Sergio Canavero, Russland