15:42 17 Juni 2019
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    Terrorgruppierung Islamischer Staat

    Anschläge in Afghanistan: IS dringt nach Zentralasien vor

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    Die Terrorgruppierung Islamischer Staat (IS) fasst offenbar Fuß in Zentralasien, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Montag.

    In der afghanischen Stadt Dschalalabad wurden Ende der vergangenen Woche zwei Terroranschläge verübt, bei denen mindestens 37  Menschen getötet und mehr als 100 verletzt wurden. Auffallend ist, dass die Verantwortung dafür zum ersten Mal der Islamische Staat übernommen hat, während die Taliban die Anschläge verurteilt haben.

    „Bis zuletzt galt, dass die Konfliktseiten in Afghanistan die zentralen Behörden in Kabul und die Taliban sind“, sagte der Zentralasien-Kenner Iwan Safrantschuk. „Obwohl die dritte Kraft (IS) nicht erst seit gestern in Afghanistan ist, hatte der frühere Präsident Hamid Karzai ihre Anwesenheit im Land stets bestritten.“ Unter dem im September 2014 an die Macht gekommenen Staatschef Aschraf Ghani Ahmadsai habe sich die Position Kabuls zu IS stark verändert, so der Experte. „Während seines Besuchs in Washington Ende März wollte Ahmadsai die IS-Präsenz in Afghanistan nicht mehr verschweigen. In dieser Situation wurde der IS für den US-Präsidenten Barack Obama eines der wichtigsten Argumente, dass in Afghanistan ein größeres Kontingent geblieben ist, als zuvor geplant war.“

    Wladimir Sotnikow vom Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen stimmte zu, dass der IS, dessen größte Kräfte im Irak und in Syrien konzentriert sind, mit seinem Eindringen in Afghanistan „einen  Gürtel der Instabilität im Nahen Osten und in Zentralasien geschaffen hat.“

    „Theoretisch sollten das Taliban-Projekt und das IS-Projekt in Afghanistan nicht miteinander konkurrieren, sondern sich gegenseitig vervollkommnen“, so Experte Safrantschuk weiter. „Praktisch aber sehen wir, dass sie ihre Handlungen nicht koordinieren. Es ist kein Wunder, dass die Taliban zu den Terroranschlägen in Dschalalabad auf Distanz gehen.“ Der Experte schloss eine Transformation der Taliban-Bewegung nicht aus: Der gemäßigte Teil könnte sich in den politischen Prozess integrieren, während die radikalen Kräfte sich dem IS anschließen würden. Das wäre nach seinen Worten eine Herausforderung nicht nur an Zentralasien, sondern auch an die südasiatischen Staaten wie Pakistan, Indien und Bangladesch.

    Zudem könnte ein weiteres Erstarken des Islamischen Staates zu einer prinzipiell neuen Gefahr für Russland und seine Partner aus der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) werden.

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    Terrormiliz Daesh, Terrorismus, Taliban, Barack Obama, Aschraf Ghani Ahmadsai, Afghanistan