14:39 10 Juli 2020
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    Vom 30. Jahrestag des Beginns der Perestroika (Umbau, Umgestaltung) hat man in Russland kaum Notiz genommen, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Montag.

    Die damaligen Wandlungen geraten bei den Russen zunehmend in Vergessenheit. Am 23. April 1985 hatte der Generalsekretär des ZK der KPdSU Michail Gorbatschow den Umgestaltung-(Perestroika-)Kurs der Sowjetunion verkündet. 30 Jahre später sieht die Mehrheit der Russen die Wendejahre von 1985 bis 1991 negativ.

    Laut Angaben des Lewada-Zentrums sind 55 Prozent der Befragten der Ansicht, dass die Umgestaltung (Perestroika) dem Land mehr Schaden zufügte als Nutzen (24 Prozent) brachte. 21 Prozent konnten diese Frage nicht beantworten. Die relative Mehrheit (41 Prozent) ist vollständig oder teilweise einverstanden mit der Aussage: „Es wäre besser, wenn im Land alles so geblieben wäre, wie es zu Beginn der Umgestaltung (Perestroika) gewesen war“. 34 Prozent sind damit nicht einverstanden, 25 Prozent konnten diese Frage nicht beantworten. In den vergangenen zehn Jahren wurde die Einstellung zu den damaligen Wandlungen positiver bzw. neutraler. 2005 sprachen 70 Prozent der Befragten von einem Schaden und nur 20 Prozent von einem Nutzen. Nach Angaben des russischen Meinungsforschungsinstituts WZIOM stieg von 2005 bis 2015 die Zahl derer, welche die Umgestaltung (Perestroika) für notwendig halten, von 64 auf 70 Prozent. Die Zahl derer, welche die Perestroika als „falsches Vorhaben” betrachten, sank von 24 auf 21 Prozent.

    Die negative Einstellung gegenüber der Umgestaltung (Perestroika) ist auf die unsicheren Zeiten und den wirtschaftlichen Zusammenbruch in den 1990er-Jahren zurückzuführen.

    Dass die Russen die Umgestaltung (Perestroika) zunehmend neutraler bewerten, hängt mit mehreren Faktoren zusammen. Das menschliche Gedächtnis neigt dazu, negative Erfahrungen auszublenden. Zudem kennt die nachwachsende Generation in Russland die Zeit vor Perestroika und Glasnost (Offenheit) nur noch vom Hörensagen.

    Meinungsforscher Aleksej Graschdankin zufolge lässt die Zeit der Perestroika die meisten Russen kalt, weil sie im Fernsehen kaum noch beleuchtet wird. Deswegen wird dem Jubiläum kaum Beachtung geschenkt, weil man auf die Richtigkeit, Reihenfolge und Effektivität der Reformen eingehen müsste. Allerdings sei der russische Staat daran nicht interessiert, weil er auf Reformen verzichtet hat und einen konservativen Weg geht.

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    Tags:
    Umgestaltung, Perestroika, Umfrage, WZIOM, Lewada-Zentrum, Michail Gorbatschow, Russland, UdSSR