03:00 19 November 2019
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    Bronislaw Komorowski mit seiner Gattin Anna

    Überraschendes Wahlergebnis: Polen stimmen gegen aktuelle Staatsführung

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    Zum ersten Mal seit 2007 hat der Kandidat der regierenden Partei in Polen die erste Runde der Präsidentschaftswahl verloren, schreibt die "Rossijskaja Gaseta" am Dienstag. Amtsinhaber Bronislaw Komorowski, der bis zuletzt der populärste Politiker im Lande war, hat überraschend nur die zweitmeisten Stimmen erhalten.

    Komorowski hatte noch im Februar als Top-Favorit gegolten und durfte laut Prognosen sogar mit einem Sieg in der ersten Runde rechnen. Er genoss die Unterstützung der Regierungspartei Bürgerplattform. Die Vorsitzenden aller anderen Parteien dachten, sie hätten keine Chance gegen Komorowski, und ließen andere Vertreter ihrer Parteien an der Wahl teilnehmen. Selbst „Schwergewicht“ Jaroslaw Kaczynski (Recht und Gerechtigkeit) wollte kein Risiko eingehen und überließ den Platz seinem jüngeren und gemäßigteren Parteikollegen Andrzej Duda.

    Aber selbst die vorläufigen Wahlergebnisse zeugten davon, dass die Regierungspartei ihre Kräfte falsch eingeschätzt hatte. In 50 von insgesamt 51 Wahlkreisen haben 35,31 Prozent der Wähler für Duda gestimmt. Komorowski muss sich mit nur 33,32 Prozent begnügen. An dritter Stelle steht der Musiker und Schauspieler Pawel Kukiz mit 20,77 Prozent.

    „Sie vertreten uns nicht!“, „Ich habe nicht für das gestimmt!“, „Sie scheinen in einem anderen Land zu leben“ – so äußerten sich viele Warschauer gegenüber der "Rossijskaja Gaseta" über die aktuellen Regierenden. Deshalb zeugen die Ergebnisse der ersten Wahlrunde vor allem von ihrer Wahlmüdigkeit. „Damit Gesetz und Gerechtigkeit nicht gewinnt“ – so hätte das Argument derjenigen gelautet, die für Komorowski stimmten.

    Den relativen Erfolg Kukiz‘ führen Experten darauf zurück, dass die Polen kein Vertrauen mehr zu den Kräften haben, die an der Macht stehen bzw. früher gestanden hatten. Das Wahlergebnis sei eine Art Gelbe Karte für die Regierung, die die Interessen ihrer Bürger offenbar vernachlässigen. Im Herbst steht die Parlamentswahl an. Dann könnte die Bürgerplattform die „Rote Karte“ sehen, falls sie ihre Politik nicht ändern sollte.

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    Tags:
    Pawel Kukiz, Andrzej Duda, Jaroslaw Kaczynski, Bronislaw Komorowski, Polen