21:14 24 November 2017
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    Experten: Schiefergas-Revolution in Europa unvorstellbar

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    Nowyje Iswestija
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    Der Erfolg der USA bei der Erschließung von Schiefergasvorkommen bleibt den Europäern verwehrt, schreibt die Zeitung "Nowyje Iswestija" am Donnerstag.

    Energiegiganten wie Exxon Mobil, Chevron und Royal Dutch Shell haben bereits Polen verlassen. Die britische Firma Cuadrilla Ressources, die 2009 ihr Büro in Polen eröffnet hatte, hat bisher kein einziges Loch gebohrt.

    Wie Cuadrilla-Sprecher Marek Madeja sagte, war es äußerst schwierig, die Schiefergas-Erschließung in Europa zu organisieren: „Die Bohrkosten sind in Europa viel höher als in den USA.“ Zudem gibt es nach seinen Worten viele bürokratische Hürden: In Polen muss jedes Unternehmen noch vor den Bohrarbeiten den Behörden einen ausführlichen Fünfjahresplan vorlegen. Im Fall einer Änderung des Plans muss ein entsprechender Antrag gestellt werden, der erst Monate oder sogar Jahre später behandelt wird.

    Die Europäer zeigten Interesse für Schiefergas bzw. Schieferöl nach deren erfolgreicher Erschließung in Amerika – aus Angst, auf dem Weltmarkt konkurrenzunfähig zu werden. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) sind die Erdgaspreise in Japan und Europa derzeit drei- bis fünfmal so hoch wie in Amerika. Die Stromtarife für Unternehmen sind doppelt so hoch. Das alles resultiert aus dem amerikanischen Schiefergas- bzw. Schieferöl-Boom.

    Die zugänglichen Schiefergasvorkommen in Europa werden auf 639 Billionen Kubikfuß geschätzt. Mehr als die Hälfte dieser Vorräte entfällt auf Frankreich und Polen. Laut einem Bericht von Raymond James & Associates gibt es derzeit nirgendwo in Europa eine gewinnorientierte Schiefergasförderung.  Auf dem Markt tummeln sich etwa 40 Unternehmen, aber die Erschließung befinde sich erst in der Anfangsphase.

    Das größte Problem ist die geringe Zahl von Bohranlagen: nur etwa 80 in Europa gegenüber etwa 1700 in den USA. Zudem mangelt es in Europa an qualifiziertem Personal für den Betrieb der Bohranlagen. Darüber hinaus sind in Europa die Umweltschutzrichtlinien viel strenger als in Übersee. Hinzu kommt, dass die Vorkommen wesentlich tiefer als in Amerika liegen.

    In Frankreich ist die Hydrofracking-Technologie gesetzlich verboten. Der Energieindustriellen-Verband forderte alternative Verfahren zur Schiefergasförderung und die gesetzliche Freigabe von anderen Technologien.

    In Bulgarien wurde nach Massenprotesten ein Moratorium für die Schiefergasförderung verhängt. „Schiefergas würde zweifelsohne die energetische Unabhängigkeit unseres Landes fördern, aber das darf nicht auf Kosten der Umwelt passieren, sagte Tichomir Dimow, Berater von Euro Petroleum Consultants.

    Nur in Dänemark, wo der französische Konzern Total bereits in diesem Jahr mit den Bohrungen beginnen will, sorgt die Situation um die Schiefergasförderung mehr oder weniger für Optimismus. Auch in Großbritannien könnte die Erschließung an Intensität gewinnen.

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    Tags:
    Fracking, Schieferöl, Schiefergas, Internationale Energieagentur (IEA), Cuadrilla Ressources, Royal Dutch Shell, Chevron, Exxon Mobil, Tichomir Dimow, Marek Madeja, Dänemark, Bulgarien, Frankreich, USA
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