09:55 18 Dezember 2017
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    Die antike Stadt Palmira in Syrien

    Syrien: Islamisten treiben Assad in die Enge

    © AFP 2017/ Joseph Eid
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    Die Terroristen des „Islamischen Staat“ (IS) haben die antike Stadt Palmira in Syrien erobert, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Freitag.

    Die Einnahme des UNESCO-Weltkulturerbes ist der bislang größte Erfolg der IS-Kämpfer, die bisher hauptsächlich im Irak ihre Siege feierten. Noch mehr als das: Früher hatten sie in Syrien vor allem gegen die dortigen Oppositionskräfte gekämpft. Jetzt aber kämpfen sie gegen die Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad.

    Neben Palmira sind ein in der Nähe gelegener Militärstützpunkt und zwei große Gasvorkommen in die Hände der Terroristen gefallen. Insgesamt kontrolliert IS derzeit nahezu die Hälfte des syrischen Territoriums. Das sind zwar großenteils unbewohnte Wüstengebiete, aber gerade dort sind fast alle Öl- und Gasvorräte des Landes konzentriert. Die Regierung kontrolliert jetzt  nur noch ein Gasfeld in der Provinz Homs.

    Der Rückzug der Regierungstruppen aus Palmira ist kennzeichnend für die Probleme, mit denen Assad in letzter Zeit konfrontiert ist. Nachdem in Saudi-Arabien im Januar der neue König Salman an die Macht gekommen ist, haben Riad und andere Monarchien der Golfregion sowie die Türkei ihre Unterstützung für die syrischen Oppositionskräfte intensiviert.

    Das hatte mehrere große Niederlagen der Regierungstruppen zur Folge. Zuletzt hatten sie die Stadt Idlib verloren, die jetzt Islamisten kontrollieren, die jedoch nicht dem IS angehören. Das entspricht im Allgemeinen dem Ziel Saudi-Arabiens und anderer sunnitischer Länder, die Assads Regime und zugleich auch den Iran schwächen wollten. Aber der Angriff auf Palmira hat gezeigt, dass nicht die so genannte „gemäßigte Opposition“ davon profitiert, sondern die unkontrollierbaren IS-Dschihadisten.

    Für die Schwächung des Assad-Regimes gibt es mehrere Gründe: Der Präsident konnte sich anfänglich nur auf seine alawitischen Glaubensbrüder stützen, auf die mit zwei Millionen Menschen nur zehn bis zwölf Prozent der Bevölkerung entfielen. Jetzt haben sich seine „menschlichen Ressourcen“ schlicht erschöpft.

    Zudem kann der schiitische Iran, der größte Förderer Assads, ihn nicht mehr so intensiv unterstützen, weil Teheran jetzt auch das Regime in Bagdad retten muss, das ebenfalls vom IS in die Enge getrieben wird. Auch die libanesischen schiitischen Kämpfer sind nicht mehr so aktiv. Zudem sind alle schiitischen Freiwilligen aus dem Irak heimgekehrt, wo jetzt ebenfalls ein Krieg tobt.

    „Der Verlust Palmiras ist ein herber Schlag für das syrische Regime. In so einer schwierigen Lage befand sich Assad noch nie“, sagte der Londoner Nahost-Experte Hugh Lovatt von European Council on Foreign Relations. Er erklärte die Schwächung der syrischen Regierung wie folgt: Erstens unterstützen Saudi-Arabien und die Türkei die mit IS nicht verbundene syrische Opposition viel intensiver als früher. Zweitens habe sich IS dem Kampf gegen Assad angeschlossen. Und drittens mangele es dem in eine Isolation geratenen Regime an menschlichen Ressourcen. „Die Zeit spielt gegen Assad. Das Problem seines politischen Überlebens wird immer akuter“, so Experte Lovatt.

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    Terrormiliz Daesh, UNESCO, Hugh Lovatt, Baschar al-Assad, Palmira, Türkei, Saudi-Arabien, Syrien, Irak
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