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    Turkish Stream: Gazprom geht hohes Risiko ein

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    Der russische Energiekonzern Gazprom bereitet sich auf den Bau der Pipeline Turkish Stream vor, obwohl ein entsprechendes Regierungsabkommen noch nicht unterzeichnet worden ist, schreibt die Zeitung "RBC Daily" am Dienstag.

    Der Bau des Meeresabschnitts der Gasleitung werde bereits im Juni beginnen, kündigte ein Gazprom-Sprecher in der vorigen Woche an. Die Experten sind sich jedoch einig, dass der Konzern ein großes Risiko eingeht.

    Der türkische Botschafter in Moskau, Ümit Yardim, bestätigte Medienangaben zufolge, dass die Gespräche über den Pipelinebau bislang  erfolglos geblieben seien. Nach seinen Worten wäre es „falsch, zu behaupten, die Gasleitung würde konkret 2016 oder 2017 gestartet.“

    Gazprom ist aber sicher, dass das Projekt tatsächlich umgesetzt wird. „Jegliche Sprüche, es würde kein Turkish Stream geben, sind Spekulationen“, so eine Quelle in dem Konzern.

    Die Idee zum Bau der Gasleitung durch die Türkei nach Europa war erstmals im Januar zum Ausdruck gebracht worden, nachdem Russland unter Druck seitens der EU auf das Projekt South Stream verzichten musste. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Russen eine Gasleitung durch das Schwarze Meer auf eigene Kosten finanzieren werden. Auf dem türkischen Territorium würde ein Joint Venture die Pipeline kontrollieren.

    Die Kosten für den Pipelinebau durch das Schwarze Meer wurden offiziell nicht veröffentlicht, aber der Bau der South-Stream-Leitung war früher auf 17 Milliarden Euro geschätzt worden. Wie die Bauarbeiten finanziert werden, bleibt unbekannt. Gazprom gab keine Kommentare dazu ab.

    „Vorerst verlegt Gazprom die für die South-Stream-Pipeline zuvor mobilisierte Bautechnik ins neue Baugebiet“, teilte der Chefanalyst von Uralsib, Alexej Kokin, mit. „Aber die Hälfte des South-Stream-Projekts hätten Gazproms Partner finanziert. Zudem war der Bau dieser Leitung bei anderen Ölpreisen und in einer anderen wirtschaftlichen Situation geplant worden“, ergänzte der Branchenkenner.

    Parallel plant Gazprom den Bau von zwei Gasleitungen nach China. Zum Bau der Pipeline „Sila Sibiri“ („Kraft Sibiriens“) wurde bereits ein auf 60 bis 70 Milliarden Dollar geschätzter Vertrag abgeschlossen.

    Bezüglich Turkish Stream vermutete Experte Kokin, dass sich Gazprom für den Anfang „auf eine minimale Konfiguration“ beschränken werde, wobei die Kapazität vorerst 16 Milliarden Kubikmeter pro Jahr betragen könnte.

    Derzeit erhält die Türkei russisches Gas über die Transbalkan-Pipeline, die durch die Ukraine, Rumänien und Bulgarien führt. Ihre Kapazität wird auf 14 Milliarden Kubikmeter geschätzt. Außerdem sind Russland und die Türkei durch die Pipeline Blue Stream direkt verbunden, durch die bis zu 16 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich gepumpt werden können. 2014 hat die Türkei 47,6 Milliarden Kubikmeter Gas aus Russland importiert. In diesem Jahr geht es um etwa 30 Milliarden Kubikmeter.

    Da der türkische Absatzmarkt relativ klein ist, muss Gazprom nach anderen Abnehmern suchen. Dabei handelt es sich vor allem um süd- und mitteleuropäische Länder, für die auch das gescheiterte Projekt South Stream vorgesehen war. Der Anschluss des europäischen Gastransportsystems an Turkish Stream muss aber mit der EU-Kommission abgestimmt werden, was jedoch eine unüberwindbare Hürde für Gazprom werden könnte.

    Die Russen könnten versuchen, die Europäer unter Druck zu setzen: Gazprom-Chef Alexej Miller erklärte im Januar, die türkische Pipeline würde mit der Zeit den Gastransit durch die Ukraine ersetzen. Im April präzisierte er, dass es sich um das Jahr 2019 handle. Dann hätten die Europäer nach seiner Auffassung keine andere Wahl außer dem Anschluss an Turkish Stream.

    Vorerst sehe es aber danach aus, dass diese Pipeline hauptsächlich der Gasversorgung der Türkei diene, vermutete Valeri Nesterow von Sberbank CIB. „Der erste Strang für 16 Milliarden Kubikmeter wird den Bedarf dieses Landes decken. Dadurch wird Gazprom die Lieferungen über die Transbalkan-Pipeline ersetzen, die wahrscheinlich außer Betrieb genommen wird“, so der Experte. Dieser Meinung stimmte auch Volkan Özdemir vom türkischen Institut für Energiemärkte und Politik EPPEN zu.

    Aber auch auf dem türkischen Markt müsste sich Gazprom der Konkurrenz stellen. Ankara will die Transadriatische Pipeline (TAP) mit der TANAP-Leitung zusammenlegen, die mit aserbaidschanischem Gas gefüllt werden. Die Kapazität beider Leitungen wird bei 16 Milliarden Kubikmeter (TANAP) bzw. zehn Milliarden Kubikmeter (TAP) liegen. Der TAP-Bau soll 2016 beginnen. Die TANAP-Pipeline ist bereits im Bau.

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    Gaslieferung, Transadriatische Pipeline (TAP), Türkischer Strom, South Stream, Gazprom, Valeri Nesterow, Ümit Yardim, Alexej Miller, Russland