01:36 26 September 2018
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    Der Weiterbau der geplanten Gaspipeline Turkish Stream nach Europa scheint mehr als fraglich

    Pipeline-Poker: EU nimmt Mazedonien an die Kandare

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    Der Weiterbau der geplanten Gaspipeline Turkish Stream nach Europa scheint mehr als fraglich, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Durch Mazedonien soll ein Anschluss der Leitung, durch die russisches Gas nach Europa fließen soll, gebaut werden. Jetzt gaben die mazedonischen Behörden zu bedenken, dass dafür die Genehmigung der EU nötig ist.

    Mazedonien könne erst in das Turkish-Stream-Projekt einstiegen, wenn Russland und die EU eine entsprechende Einigung erzielen würden, sagte der mazedonische Regierungschef Nikola Gruevski am Mittwoch in einem Interview mit dem lokalen Nachrichtenportal „Press24“. Mazedonien sollte das dritte Land nach der Türkei und Griechenland sein, mit denen Russland  über ein Abkommen zum Bau eines Pipelineabschnitts verhandelt. Nach dem Stopp des South-Stream-Projekts plant Russland eine andere Route für die Gaslieferungen in den Süden Europas.

    Die Worte des mazedonischen Ministerpräsidenten haben zum Teil einen politischen Hintergrund. In den vergangenen Wochen hat sich die politische Lage in dem Balkan-Land zugespitzt. Die Opposition strebt den sofortigen Rücktritt der Regierung an.

    Laut dem russischen Außenminister Sergej Lawrow wird die Situation in Mazedonien von außen gesteuert. Gruevski werde unter Druck gesetzt, weil er sich nicht den Russland-Sanktionen anschließen wolle und eine Beteiligung am Turkish-Stream-Projekt erwäge, so Lawrow.

    Turkish Stream soll durch das Schwarze Meer in die Türkei und danach über Griechenland und Mazedonien nach Serbien, Ungarn und Österreich verlaufen. Diese Pipeline mit einer Kapazität von rund 60 Milliarden Kubikmeter pro Jahr soll die Ukraine als Transitland ersetzen. Spätestens 2020 will der russischen Energiekonzern Gazprom kein Gas mehr durch das Nachbarland pumpen. Allerdings befindet sich das „Turkish Stream“-Projekt noch in der Anfangsphase. Es gibt keine verbindlichen Abkommen, die Finanzierungsquellen sind unklar.

    Die Pipeline in der jetzigen Form kann Mazedonien nicht umgehen, obwohl sie für das Land selbst nicht von großem Interesse ist.  Mazedonien verbraucht nur rund 150 Millionen Kubikmeter Gas pro Jahr und bezieht es aus Russland. Gruevski zufolge ist das russische Gas zu teuer (einer der höchsten Preise in Europa – mehr als 500 US-Dollar), weshalb die mazedonischen Behörden einen Anschluss an die TAP-Pipeline planen.

    Im Ergebnis könnte das kleine Land dasselbe Schicksal wie Bulgarien bei der South-Stream-Pipeline ereilen. Doch in diesem Fall würde Mazedonien wie auch Bulgarien Einnahmen aus dem Transit verlieren, so Experte Alexej Griwatsch. Russland könnte theoretisch die Pipeline aus Griechenland auch direkt nach Süditalien verlegen oder das „Eastring“-Projekt für Gaslieferungen zum Hub im österreichischen Baumgarten nutzen.

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    Sanktionen, South Stream, Türkischer Strom, Erdgas, Alexej Griwatsch, Nikola Gruevski, Sergej Lawrow, Bulgarien, Russland, Mazedonien