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    Neue Militärstrategie: China schützt sich gegen USA auf den Weltmeeren

    © AFP 2018 / Greg BAKER
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    Nesawissimaja Gaseta
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    In Chinas erneuerter Militärstrategie, dem so genannten “Weißbuch”, geht es vor allem um die Festigung seiner Sicherheit in den Weltmeeren, im Weltraum sowie im Cyberraum und im Atomwaffenbereich, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Donnerstag.

    „Die traditionelle Denkweise, dass der Hauptakzent auf die Situation auf dem Festland gelegt wird und die Situation im Meer als nebenwichtig gilt, muss aufgegeben werden“, heißt es im „Weißbuch“. „Ein besonderes Augenmerk muss auf die Erschließung des Ozeans und auf den Schutz unserer Rechte in den Weltmeeren gerichtet werden.“

    In Washington hat man vorerst keine ausführlichen Kommentare in Bezug auf die neue Militärstrategie Pekings abgegeben. Zuvor aber hatte das US-Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass das offizielle Militäretat der Volksrepublik in diesem Jahr um mehr als zehn Prozent auf 141 Milliarden Dollar aufgestockt worden sei. Unter anderem werden der zweite chinesische Flugzeugträger sowie mehrere andere U-Boote und Schiffe gebaut. Zudem entwickeln die Chinesen Raketen, die amerikanische Raketen weit von der chinesischen Küste abfangen könnten.

    Unabhängige Militärexperten in den USA nahmen aber kein Blatt vor den Mund. Der für den Asien-Pazifik-Raum zuständige Direktor des Center for New American Security, Patrick Cronin, sagte, das erneuerte „Weißbuch“ sei ein Plan zur Förderung der chinesischen Hegemonie in der Region. Die "New York Times" verwies darauf, dass Peking nicht nur seine Küste schützen, sondern auch  seine Stärke auf die Weltmeere projizieren wolle.

    Spratly-Inselgruppe
    © AP Photo / Ritchie B. Tongo
    Der russische Orientalist Pawel Kamennow führt den von Peking geplanten Ausbau der Präsenz im Ozean darauf zurück, „dass die Öltransportwege aus dem Nahen bzw. Mittleren Osten und aus Nordafrika nach China gesichert werden müssen. Denn die chinesische Wirtschaft hängt zu mehr als 50 Prozent vom Ölimport aus dieser Region ab.“ Zu den Perspektiven der Erweiterung der chinesischen Einflusskraft in der Welt, von der die US-Medien schreiben, zeigte sich der Experte eher skeptisch, weil China „keine angemessenen Seestreitkräfte hat“.

    Allerdings verfüge die Volksrepublik bereits über einen Flugzeugträger, räumte Kamennow ein. Zudem sollen bis 2020 vier weitere Flugzeugträger gebaut werden, von denen zwei mit Atomkraft angetrieben werden.

    Zu der in der Militärdoktrin verankerten Verpflichtung, Atomwaffen nicht für einen Erstschlag einzusetzen, sagte der Experte: „Äußerst wichtig ist, wer Atomwaffen als erster einsetzt. Deshalb hat dieses Versprechen eher einen deklarativen Charakter, auch wenn die gesamte chinesische Militärdoktrin einen Verteidigungscharakter hat. China sagt, es wäre zu einem Schlagabtausch bereit, würde aber nicht als erster zuschlagen.“

    Der Militärexperte Oberst a.D. Viktor Litowkin erwartet, dass Moskaus offizielle Reaktion eher „wohlwollend“ sein dürfte. „Wir haben mit China keine Probleme bezüglich der Marine. Chinesische und russische Matrosen beteiligen sich an gemeinsamen Übungen im Mittelmeer. Zudem haben sie gemeinsam für den Abtransport der Chemiewaffen aus Syrien gesorgt. Russland hat China mit U-Booten und Artilleriewaffen für Schiffe versorgt. Wenn China sagt, es wolle sein Territorium vor den USA und Japan schützen, warum sollten wir etwas dagegen haben?“, so der Experte.

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    Tags:
    Waffen, Marine, Weißbuch Chinas, Center for New American Security, Pawel Kamennow, Patrick Cronin, Syrien, USA, China
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