11:50 19 Juli 2018
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    Griechenlands Schuldenkrise

    USA rufen EU und IWF zu Zugeständnissen an Griechenland auf

    © REUTERS / Alkis Konstantinidis
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Heute geht in Dresden das dreitägige Treffen der Finanzminister und Zentralbankchefs der G7-Staaten zu Ende, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

    An dem Treffen nehmen auch die Präsidentin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Christine Lagarde, der Weltbankchef Jim Yong Kim, der Vorsitzende der Eurogruppe, Jeroen Dijsselbloem, EZB-Chef Mario Draghi und EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Pierre Moscovici teil.

    Die Gespräche verlaufen vor einem zwar immer besseren, aber auch nicht unbedingt positiven Hintergrund: Die Weltwirtschaft erholt sich allmählich von der Krise, stößt aber auf viele Probleme: das Chaos im Nahen Osten, die Ukraine-Krise und die instabile Situation auf dem Weltmarkt. Das Bruttoinlandsprodukt der USA und in der Eurozone wächst langsamer als erwartet, in China verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum, die Arbeitslosenquote in Europa bleibt hoch und Griechenland hat immer noch keine neuen Finanzspritzen von seinen internationalen Kreditgebern bekommen.

    Zum ersten Mal wurden führende Wirtschaftsexperten wie der frühere US-Finanzminister Lawrence Summers zu dem G7-Treffen eingeladen. In der Debatte über die Förderung des globalen Wirtschaftswachstums ist Washington tonangebend. Unter anderem rufen die Amerikaner Deutschland und die anderen EU-Länder mit positivem Handelssaldo und Haushaltsüberschuss zu Investitionen auf, um die Verbrauchernachfrage und damit das Wirtschaftswachstum zu stimulieren.

    Deutschland, der G7-Vorsitzende, verlangt jedoch von seinen EU-Partnern gerade das Gegenteil: Berlin zufolge sollten sie ihre Staatsschulden kürzen und das Haushaltsdefizit verringern und weitere Sparmaßnahmen ergreifen.

    Die Amerikaner bemühen sich auch um die Unterstützung Griechenlands. Dieses Thema stand zwar nicht auf der offiziellen Tagesordnung des Treffens in Dresden, ist aber faktisch in den Vordergrund gerückt. US-Finanzminister Jacob Lew äußerte die Besorgnis, dass eine negative Entwicklung der Situation in Griechenland zu einer neuen Weltwirtschaftskrise führen könnte. Er forderte die Kreditgeber Griechenlands auf, flexibel zu sein und einzuräumen, dass es bei den Sparmaßnahmen gewisse Grenzen gibt, die für Griechenland ertragbar wären.

    Am Mittwoch hatte Lew mit dem griechischen Premier Alexis Tsipras telefoniert – zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage. Washington ist nicht daran interessiert, dass Griechenland insolvent wird, was zu seinem Austritt aus der Eurozone führen und die Finanzmärkte erschüttern könnte. Athen signalisierte vor kurzem, dass eine Vereinbarung mit seinen Kreditgebern bevorstünde, doch der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble schätzte ein, dass es bisher keinen Durchbruch bei den Gesprächen gegeben habe. Auch der Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, dementierte Informationen über angebliche Fortschritte. Der IWF ist derselben Ansicht.

    Zum Abschluss der Gespräche in Dresden wird es keine offizielle Erklärung geben. Das ist ein weiterer Beweis für den informellen Charakter des Treffens. Seine Teilnehmer wollen dabei nur allgemeine Vorgehensweisen besprechen, damit die Staats- und Regierungsoberhäupter der G7-Länder in neun Tagen bei ihrem Gipfeltreffen am 7. und 8. Juni bei München an konkreteren Vereinbarungen arbeiten können.

    Tags:
    Schulden, IWF, EU, G7, EU-Kommission, Jim Yong Kim, Pierre Moscovici, Valdis Dombrovskis, Mario Draghi, Jeroen Dijsselbloem, Jacob Lew, Alexis Tsipras, Christine Lagarde, USA, Griechenland
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