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    Der russische Energiekonzern Gazprom wird in Paris sein neues Projekt zum Bau der Pipeline Turkish Stream präsentieren, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Montag.

    Die russische Gasholding steht vor der schwierigen Aufgabe, ihre künftigen europäischen Partner von der Lukrativität der künftigen Pipeline zu überzeugen. Gazprom-Chef Alexej Miller rechnet damit, dass die Gasleitung schon Ende 2016 in Betrieb genommen wird. Die Bauarbeiten sollen bereits in wenigen Tagen beginnen, obwohl selbst mit Ankara noch kein entsprechendes Abkommen unterzeichnet wurde.

    Der türkische Botschafter in Russland, Ümit Yardim, verwies vor wenigen Tagen auf viele ungelöste Fragen. Nach seinen Worten genügt allein die Entschlossenheit zur Umsetzung dieses Projektes nicht: „Eine technische und wirtschaftliche Machbarkeitsstudie ist erforderlich.“ Deshalb sei es unangebracht, zu behaupten, die Gaslieferungen durch die neue Leitung könnten bereits 2016 oder 2017 beginnen, warnte der Diplomat.

    „Turkish Stream wird aus vier Strängen bestehen, von denen nur einer in die Türkei führen wird. Durch alle anderen Stränge werden 45 Milliarden Kubikmeter Gas gepumpt, und sie werden für die europäischen Länder bestimmt sein. (…) Man sollte bedenken, dass dieses Projekt nicht nur Russland, sondern auch die europäischen Länder betrifft“, so Yardim.

    Am 1. Dezember 2014 hatten Gazprom und das türkische Unternehmen Botas eine Absichtsvereinbarung zum Bau der Pipeline unterzeichnet. Dieses Dokument hat jedoch so gut wie keine juristische Kraft. Zudem wurde der Rabatt für Botas immer noch nicht festgelegt.

    Was die europäischen Länder angeht, so arbeiten Russland und Griechenland derzeit an einem Memorandum über den Pipelinebau von der griechisch-türkischen Grenze bis zur Grenze zu Mazedonien. Der griechischen Seite zufolge könnte ein entsprechendes Abkommen während des für Ende Juni angesetzten Petersburger Wirtschaftsforums unterzeichnet werden.

    Der mazedonische Premier Nikola Gruevski sagte seinerseits, die Perspektiven des Abschnitts der Gasleitung in seinem Land hängen von der Position Brüssels ab. Sein serbischer Amtskollege Aleksandar Vucic teilte in der vorigen Woche mit, sein Land könnte seine Gasquellen diversifizieren und sich an den Pipeline-Projekten TANAP und TAP beteiligen, durch die aserbaidschanisches Gas nach Europa fließen soll.

    Der russische EU-Botschafter Wladimir Tschischow reagierte jedoch gelassen auf diese Äußerungen: „Es gibt nichts Außergewöhnliches daran, dass die südosteuropäischen Länder, darunter Serbien und Mazedonien, alternative Varianten erwägen. Das bedeutet nicht, dass sie auf gemeinsame Projekte mit uns verzichten.“ Nach seinen Worten könnte sich Russland sogar am Transadriatischen Projekt TAP beteiligen.

    Der russische Energiemarktexperte Sergej Prawosudow führt die Absicht Gazproms zum sofortigen Beginn der Bauarbeiten darauf zurück, dass die ausländischen Auftragnehmer ihre Arbeit so schnell wie möglich beginnen sollen. „Auf zwei Dritteln der geplanten Route der Pipeline im Schwarzen Meer wurde alles bereits in der Zeit des South-Stream-Projekts vereinbart“, so der Branchenkenner. „Gazprom pachtet zwei Schiffe, die die Pipeline bauen sollen,  und zahlt dafür. Deshalb wurde beschlossen, nicht auf die Unterzeichnung des endgültigen Abkommens mit der Türkei zu warten, sondern das zu bauen, was gebaut werden kann.“ Der Gaskonzern gehe dabei zwar ein Risiko ein, „aber in die Vorbereitung der Bauarbeiten wurden bereits große Mittel investiert, und es bleibt im Grunde keine andere Wahl, als diesen Weg weiter zu gehen.“

    Valeri Nesterow von Sberbank Investment verwies zudem darauf, dass die Russen auf dem osteuropäischen Markt die Konkurrenz aus anderen Ländern überholen wollen, und erwähnte neben den Leitungen mit aserbaidschanischem und turkmenischem Gas auch ein Projekt zum Pipelinebau aus Algerien nach Italien sowie die Abschaffung der internationalen Sanktionen gegen den Iran.

    Zugleich vermutet der Experte, dass Europa weiterhin vom russischen Gas abhängig bleiben werde, dessen Anteil am europäischen Markt er auf 25 bis 30 Prozent schätzte. „Die Frage ist nur, durch welche Pipelines es gepumpt wird.“

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    South Stream, Erdgas, Türkischer Strom, Gazprom, Sberbank Investment, Ümit Yardim, Alexej Miller, Türkei