08:26 26 Oktober 2020
SNA Radio
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    119813
    Abonnieren

    Russland plant nach Angaben des Befehlshabers der Luftlandekräfte, Generaloberst Wladimir Schamanow, die Bildung von schnellen Eingreifkräften, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Montag.

    Einige Medien schlussfolgerten sofort, dass Russland dabei dem Beispiel mancher Nato-Staaten folgt, die im September 2014 ein Abkommen über die Bildung einer schnellen Eingreiftruppe unterzeichnet hatten, um diese an den Grenzen zu Russland zu stationieren. Diese Interpretation ist allerdings nicht ganz richtig.

    Erstens ist das Thema schnelle Eingreifkräfte nicht unbedingt neu: Die kollektiven schnellen Eingreifkräfte im Rahmen der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) wurden bereits 2008 gebildet. Unter der Federführung Russlands sind daran eine Luftlandedivision und eine Luftlandebrigade beteiligt. Sie nahmen unter anderem an mehreren Übungen in Russland und anderen GUS-Ländern, darunter in der Arktis und in Zentralasien, teil.

    Zweitens nahmen diese russischen Truppenteile auch an realen Kriegshandlungen teil, darunter am „Fünftage-Krieg“ mit Georgien im August 2008. Auch bei der Wiedervereinigung Russlands mit der Krim im März 2014 kamen diese Kräfte zum Einsatz. Deshalb kann man nicht davon sprechen, dass Russland dem Nato-Beispiel folgen würde.

    Außerdem gibt es noch einen weiteren Aspekt in diesem Zusammenhang: Obwohl die schnellen Eingreifkräfte ihre Effizienz bereits mehrmals unter Beweis gestellt haben, ist ihre Bildung noch nicht abgeschlossen. Zudem bleiben einige Fragen ungelöst. So sollen in die schnellen Eingreifkräfte neben den Luftlandekräften auch Spezialeinheiten sowie Marineinfanterie-Einheiten aufgenommen werden, die allerdings verschiedenen Strukturen untergeordnet sind: Das Kommando der Luftlandekräfte ist dem Verteidigungsminister untergeordnet; die Luftlandekräfte gelten als Reserve des Obersten Befehlshabers (sprich Präsident Putins); die Spezialeinheiten waren laut offenen Quellen bis zuletzt der Hauptverwaltung für Nachrichtenwesen im Generalstab und die Marineinfanterie dem Kommando der Seestreitkräfte untergeordnet. In diesem Kontext stellt sich die Frage, ob speziell ein Kommando der Schnellen Eingreifkräfte gebildet werden könnte. General Schamanow äußerte sich dazu vorerst nicht. Dafür sprach er über die künftigen Funktionen und Aufgaben der schnellen Eingreifkräfte. Nach seinen Worten könnten sie sowohl selbstständig als auch „als Teil einer Heeresgruppierung in einzelnen Richtungen“ agieren. In diesem Kontext sei „die Aufstockung unserer Divisionen auf drei Regimenter in jeder Luftlande- und Lande-Sturm-Division“ geplant.

    Es ist aber nicht schwer, nachzuzählen, dass die Luftlandekräfte bald nicht mehr 45 000 Soldaten wie aktuell, sondern mindestens mehr als 60 000 umfassen werden. Zudem hatte General Schamanow zuvor gesagt, dass bis 2016 eine weitere Lande-Sturm-Brigade gebildet und dass die Zahl der Vertragssoldaten bis 2020 auf 80 Prozent steigen werde.

    Dass sich die russische Führung um eine Modernisierung der Luftlandekräfte bemüht, ist naheliegend: Russland muss sich auf schwere Zeiten gefasst machen. Angesichts seiner mehr als 50 000 Kilometer langen Grenzen kann ihre Sicherheit nicht mit alten Methoden gewährleistet werden. Die Bildung der schnellen Eingreifkräfte wäre ein wichtiger Schritt zur Lösung dieses Problems.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Moskau: Nato-Aktivitäten an der Grenze gefährden Russlands Sicherheit
    Putin befiehlt Überraschungsübung für Truppen in Zentralrussland
    Übungsalarm bei russischen Streitkräften: 80.000 Soldaten im Einsatz
    Putin drückt bei Armee-Modernisierung aufs Tempo
    Tags:
    GUS, NATO, OVKS, Georgien, Arktis, Russland