10:52 19 Februar 2020
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    FIFA-Korruptionsskandal (48)
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    Der Präsident des Weltfußballverbandes FIFA, Sepp Blatter, verlässt doch seinen Posten, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Mittwoch.

    Sein Rücktritt ist überraschend, zumal er erst vor vier Tagen zum fünften Mal wiedergewählt worden war. Sein einziger Gegenkandidat, der jordanische Prinz Ali bin Al Hussein, der viele einflussreiche Befürworter wie UEFA-Präsident Michel Platini hatte, hatte vor der Stichwahl seine Kandidatur zurückgezogen.

    Zu Blatters Rücktritt haben die jüngsten Ermittlungen der US-amerikanischen und schweizerischen Justiz geführt. In der vorigen Woche, im Vorfeld des FIFA-Kongresses in Zürich, auf dem Blatter wiedergewählt wurde, waren gleich mehrere frühere und jetzige hochrangige Beamte des Fußballverbandes wegen Bestechung, Geldwäsche und Erpressung festgenommen worden. Das löste eine große Protestwelle gegen den FIFA-Präsidenten aus. Trotzdem gewann er die Wahl und versprach, „das Fußball-Schiff wieder auf den richtigen Weg zu führen“.

    Gestern aber räumte Blatter ein, dass er „nicht von der ganzen Fußballwelt“ unterstützt werde und dass sein Rücktritt „dem Fußball und der FIFA gut tun“ werde. Andere Gründe für seine Entscheidung nannte er nicht.

    Gestern wurde bekannt, dass die US-Justiz den „rechten Arm“ Blatters, FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke, ins Visier genommen hat. Der Skandal verschärfte sich nach einem Bericht der "New York Times", dem zufolge Valcke hinter drei Banküberweisungen für insgesamt zehn Millionen US-Dollar an den früheren FIFA-Vizepräsidenten und CONCACAF-Chef (CONCACAF ist der Nord- und Mittelamerikanische Fußballverband) Jack Warner im Jahr 2008 gestanden hätte. Warners Söhne Darian und Darryl sollen gegenüber den Ermittlern bestätigt haben, dass ihr Vater dafür Südafrika geholfen habe, den Kampf um die Austragung der Weltmeisterschaft 2010 zu gewinnen, obwohl Warner Sr. das mehrmals bestritten hatte.

    Valcke wurde zwar in den entsprechenden Unterlagen eines Gerichts in Brooklyn nicht erwähnt, aber laut "New York Times"-Quellen handelt es sich um ihn.

    FIFA-Chef Josef Blatter zurückgetreten
    © REUTERS / Leonhard Foeger
    Der FIFA-Generalsekretär bestritt bis zuletzt seine Verbindung mit dem Bestechungsskandal. Auch der Verband verteidigt seinen Leiter. Die fragwürdigen Überweisungen seien 2007 vom damaligen Leiter des FIFA-Finanzausschusses, Julio Grondona (Valcke war damals sein Stellvertreter), organisiert worden, wobei er keinen einzigen Punkt des Regelwerkes verletzt habe: Dieses Geld sei „für die Unterstützung der afrikanischen Diaspora in den Karibik-Ländern“ im Rahmen eines entsprechenden Programms bestimmt gewesen. Diese Behauptungen können jetzt allerdings nicht mehr überprüft werden, denn Grondona ist 2014 gestorben.

    Auch die Südafrikaner werden den USA nicht helfen: Der frühere Präsident des Landes Thabo Mbeki hat bereits gesagt, seine Regierung hätte niemanden bestochen, um die WM 2010 austragen zu dürfen. Der frühere Leiter des WM-Organisationskomitees Danny Jordan räumte Geldüberweisungen an Warner ein, beteuerte jedoch, dass sie für die Entwicklung des Fußballs in den jeweiligen Ländern bestimmt gewesen seien.

    Blatters „Abdankung“ wurde in der Fußballwelt unterschiedlich aufgenommen. Viele Fußball-Funktionäre geben zu, „schockiert“ zu sein. Manche sagen, Blatter habe keine andere Wahl gehabt.  Der Leiter des englischen  Fußballverbandes, Greg Dyke, der den Kampf gegen den FIFA-Chef anführte, sagte euphorisch, diese Nachricht sei „sehr gut für den Fußball“. Zugleich versicherte er, ein Boykott der WM 2018 in Russland, mit dem er für den Fall des Verbleibs Blatters im Amt gedroht hatte, komme für ihn nicht mehr in Frage.

    In Moskau reagierte man auf seinen Rücktritt eher zurückhaltend. Für die Russen ist das aber eine schlechte Nachricht, denn Blatter galt als ihr Freund. Im Vorfeld des FIFA-Kongresses bekam er Rückendeckung vom russischen Präsidenten Wladimir Putin, der von der Unzulässigkeit des „Drucks“ auf Blatter sprach.

    Dennoch wird der scheidende Präsident des Weltfußballverbandes bis zum vorgezogenen Kongress an der Spitze bleiben, der zwischen Dezember 2015 und März 2016 stattfinden soll. Dabei wird Blatters Nachfolger gewählt.

    Als Favorit gilt nicht Prinz Al Hussein, sondern UEFA-Präsident Michel Platini. 2014 hatte er angekündigt, nicht um den FIFA-Spitzenposten in diesem Jahr kämpfen zu wollen, und äußerte sich bis zuletzt nicht zu Blatters Aktivitäten. Nach dem jüngsten Skandal trat Platini allerdings aus dem Schatten und riet dem FIFA-Boss zum freiwilligen Verzicht auf sein Amt. Nach Blatters jetzigem Rücktritt war er einer der ersten, der diesen Schritt kommentierte und ihn „schwierig, aber mutig“ nannte.

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    Tags:
    UEFA, FIFA, Michel Platini, USA