22:09 25 April 2019
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    Turkish Stream: Europäer buhlen um Pipeline-Anschluss

    Turkish Stream: Europäer buhlen um Pipeline-Anschluss

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    Die Eastring-Pipeline könnte Teil des Turkish-Stream-Projekts werden, schreibt die Zeitung "Wedomosti" am Mittwoch unter Berufung auf eine entsprechende Aussage des russischen Premiers Dmitri Medwedew nach einem Treffen mit seinem slowakischen Amtskollegen Robert Fico.

    Bratislava bemüht sich um das Eastring-Projekt seit Anfang 2015, nachdem der russische Energiekonzern Gazprom auf die South-Stream-Leitung zugunsten von Turkish Stream verzichtet und angekündigt hatte, 2020 den Gastransit durch die Ukraine einzustellen. Dieser Transitweg führt weiter in die Slowakei, für die Gazproms Pläne den Verlust von beträchtlichen Einnahmen bedeuten würden. Deshalb bemüht sich Fico um den Anschluss der Eastring-Pipeline an den Turkish Stream.

    „Wir werden über alle Angebote, die wir bezüglich der Kapazitäten und der Finanzierung erhalten, nachdenken“, sagte darauf Medwedew.

    Die Eastring-Leitung soll durch die Slowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien gebaut werden. Ursprünglich sollten dadurch Gaslieferungen aus dem Kaspi-Raum auf den Balkan erfolgen – durch das TANAP-TAP-Pipelinesystem in der Türkei und Griechenland. Für die EU gilt dieses Projekt als Priorität, deshalb ist die Turkish-Stream-Leitung aus Brüssels Sicht unnötig. Dennoch wurde Eastring von den EU-Behörden in den zehnjährigen Entwicklungsplan von Gasnetzen eingebunden.

    Die Slowakei hat zum ersten Mal offen verkündet, ihre Leitung an Turkish Stream anschließen zu wollen. Ein Sprecher der EU-Kommission wollte vorerst nicht sagen, ob Eastring in diesem Fall Brüssels Unterstützung bekommt.

    Gazprom-Chef Alexej Miller hatte Mitte April gesagt, dank Turkish Stream wären in der Region gleich mehrere Projekte „reanimiert“ worden, darunter Eastring und das italienische Pipeline-Projekt ITGI aus Griechenland nach Italien. Falls Gazprom zu einem Einstieg in das Projekt eingeladen werde, werde man diese Möglichkeit erwägen, so Miller.

    Ende Mai verwies er darauf, dass für Eastring keine technische und wirtschaftliche Machbarkeitsstudie erstellt worden sei. Zudem seien die potenziellen Teilnehmer dieses Projekts noch nicht bekannt, wie auch das Land, dessen Gas durch diese Pipeline transportiert werden könnte. Zuvor hatte Miller erläutert, dass durch die TAP-Leitung jährlich nur zehn Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa gepumpt werden könnten.

    Eastring könnte eine alternative Fortsetzung der Turkish-Stream-Leitung werden, die ursprünglich durch Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich gebaut werden sollte. Die mazedonische und die serbische Führung hatte aber vor einigen Tagen zu verstehen gegeben, dass ihre Beteiligung an diesem Pipeline-Projekt von der Position der EU und der USA abhängt.

    Gazprom will den Bau der Turkish-Stream-Leitung bereits Mitte Juni beginnen, obwohl mit der Türkei noch kein entsprechendes Regierungsabkommen unterzeichnet wurde.

    Medwedew hat am Dienstag allerdings abermals bestätigt, dass die grundsätzliche Vereinbarung mit Ankara getroffen worden sei. Der griechische Energieminister Panagiotis Lafazanis hatte in der vorigen Woche geäußert, ein entsprechendes Abkommen mit Russland könnte auf dem St. Petersburger Wirtschaftsforum Ende Juni unterzeichnet werden.

    Für Gazprom sei es wichtig, dass in Europa ein Wettbewerb um die Anschlussleitungen für Turkish Stream begonnen habe, so der Direktor des russischen Fonds für nationale Energiesicherheit, Konstantin Simonow. „Falls Mazedonien und Serbien sehen, dass sie wegen der Eastring-Pipeline das Gas und das Recht auf den Gastransit verlieren würden, könnten sie ihre Position überdenken.“ Auch die „Wiederbelebung“ des ITGI-Projekts schloss der Experte nicht aus. Dann wäre die Konkurrenz noch schärfer.

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    Gaslieferung, TANAP-TAP-Pipeline, South Stream, Erdgas, Türkischer Strom, Gazprom, EU, Konstantin Simonow, Panagiotis Lafazanis, Alexej Miller, Dmitri Medwedew, Robert Fico, Serbien, Mazedonien, Ukraine, Slowakei, Russland