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    Kapital für russische Staatsbanken: Sberbank und VTB umgehen EU-Sanktionen

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    Sberbank und VTB, die größten russischen Banken mit staatlicher Beteiligung, haben eine Möglichkeit gefunden, die von der EU verhängten Sanktionen zu umgehen, schreibt die Zeitung "RBC Daily" am Freitag.

    Seit Juli 2014 lockt die Tochter Sberbank Europe AG Anleger in Deutschland mit hohen Zinsen. Es handelt sich um die Onlinebank Sberbank Direct. Das Geldinstitut hat keine Büros in der Bundesrepublik. Wie Sberbank-Präsident German Gref bei der Hauptversammlung am 29. Mai sagte, hat die Bank dank diesem „sehr rechtzeitigen“ Projekt „die Heranziehung von Devisenressourcen zu einem kritischen Zeitpunkt mobilisieren“ können.

    Bis Ende 2014 wurden 25.000 Bundesbürger Sberbank-Kunden. Ihre Einlagen beliefen sich auf 700 Millionen Euro. Zum 2. Juni hat sich die Kundenzahl auf 46.000 nahezu verdoppelt, die Einlagen stiegen auf 1,6 Milliarden Euro. Dadurch habe Sberbank Europe einen Kredit in Höhe von einer Milliarde Euro ihrer Mutterstruktur zurückzahlen können, teilte Sberbank-Finanzdirektor Alexander Morosow mit.

    Als erste russische Bank hatte VTB Ende 2011 nach diesem Modell Kunden in Europa gewonnen. „Bei der VTB Direct handelt es sich um unsere Onlinebank, die Einlagen von Privatpersonen heranzieht“, sagte der Leiter der Abteilung für VTB-Tochterunternehmen, Michail Jakunin. VTB Direct ist in Deutschland und Frankreich tätig. Ende 2013 beliefen sich die europäischen Einlagen der VTB-Tochter auf 2,5 Milliarden Euro und Ende 2014 auf 3,9 Milliarden Euro.

    Die russischen Staatsbanken bieten ihren Anlegern sehr attraktive Zinsen an: 1,4 Prozent für eine Ein-Jahres-Anlage und 2,2 Prozent für eine Drei-Jahres-Anlage bei der Sberbank Direct. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank bietet ihren Kunden höchstens 0,6 Prozent für eine Acht-Jahres-Anlage an.

    „Natürlich sind anderthalb Milliarden Euro für die Sberbank keine allzu große Summe“, sagte UBS-Analyst Michail Schlemow. „Aber erstens geht es um die Heranziehung von Geldern für die Bank, und zwar viel günstiger als in Russland. Zweitens sind diese Mittel sowohl dem Umfang als auch den Zinsen nach durchaus mit der Emission von Eurobonds vergleichbar, die die Sberbank wegen der Sanktionen nicht in Euro unterbringen kann. Das ist also angesichts des gesperrten Kapitalmarktes eine interessante Alternative.“

    Ihre vorerst letzten Eurobonds hatte die Sberbank im Juni 2014 platziert, kurz vor der Einführung der EU-Sanktionen. Damals zog die Bank etwa eine Milliarde Euro für 5,5 Jahre gegen 3,35 Prozent Jahreszinsen heran.

    Fitch-Experte Konstantin Jachimowitsch verwies darauf, dass 1,6 Milliarden Euro „keine wesentliche Summe für die Sberbank“ seien, dafür aber bedeutend für die Tochterfirma Sberbank Europe. Das Potenzial des Sberbank-Direct-Modells schätzte er hoch ein: „Der europäische Markt ist ziemlich groß: Die Deutschen sind relativ reich und haben viele Ersparnisse. Wenn die Bank höhere Zinsen als die Konkurrenz bietet, dann darf sie mit beträchtlichen Anlagen rechnen.“

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    Tags:
    Sanktionen, VTB, Sberbank, Sberbank Europe AG, Fitch Ratings, Konstantin Jachimowitsch, Michail Jakunin, Alexander Morosow, German Gref, Russland