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    Schlecht für Gazprom: Europa sucht Alternativen zum russischen Erdgas

    © AP Photo / Kai-Uwe Knoth
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    Europa bleibt zwar vom russischen Erdgas abhängig, aber der russische Energieriese Gazprom könnte seinen Marktanteil mittel- bzw. langfristig verlieren, schreibt der Direktor des russischen Instituts für energieeffiziente Bautechnologien, Wladimir Sidorowitsch, in einem Beitrag für die Donnerstagsausgabe der Zeitung "Wedomosti".

    Auf Russland entfallen laut Eurogas etwa 40 Prozent des gesamten europäischen Gasimports. Seine drei größten Abnehmer – Deutschland, Italien und Polen – verbrauchen insgesamt 60 Prozent des russischen Gases. Deutschland allein bezieht 33 Prozent.

    Das Gas wird in Europa hauptsächlich für die Wärme-  und Stromproduktion verwendet. Laut einer langfristigen Strategie (bis 2050) sollen die CO2-Ausstöße bis dahin um 80 bis 95 Prozent im Vergleich zu 1990 reduziert werden. Zu diesem Zweck sollen die Ausstöße in der Stromwirtschaft laut der EU-Kommission bis 2050 um 93 bis 99 Prozent verringert werden.

    Einer der wichtigsten Faktoren der Luftverschmutzung in Europa ist der Bergbau, auf den in Deutschland fast 44 Prozent der gesamten Stromproduktion entfallen. Der Gasanteil an der Stromproduktion ist relativ gering, deshalb sind Gazproms Hoffnungen auf den Ausbau der europäischen Stromproduktion mit Gas nicht unbegründet. Sie zerbrechen jedoch an der wirtschaftlichen Realität: 2013 schrumpfte die Stromproduktion mit Gas in Deutschland um 21,6 Prozent im Jahresvergleich und 2014 um weitere 13,8 Prozent. Auch in Italien lässt sich derselbe Trend beobachten. Dafür werden erneuerbare Energiequellen bevorzugt.

    Weiterlesen: Gazprom will 2015 bis zu 153 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa pumpen

    Die europäische CO2-Steuer könnte zwar zu einer Aufstockung der Gaskapazitäten zwecks Ablösung der Kohlekapazitäten führen, aber nur kurzfristig: Erdgas gilt als eine Art Übergangslösung, aber nicht als sauberer Brennstoff. Und schließlich wird die CO2-Steuer auch für Gas gelten, was die Gasverarbeitung in Strom kostspielig macht und wiederum die Entwicklung von umweltfreundlichen Energiequellen fördern wird.

    Die Stromproduktion ist aber nicht der wichtigste Verwendungsbereich für das russische Gas in Europa. In Deutschland entfallen 85 Prozent des Gasimports auf die Wärmeproduktion. Dabei ist Energieeffizienz das Stichwort. Deshalb bemühen sich die Europäer um den allmählichen Ersatz der Gasheiztechnik durch Alternativen. In Dänemark ist seit 2013 die Aufstellung von Gas- und Dieselheizkesseln in Neubauten verboten. Auch in Deutschland ist der Anteil der Gasheizanlagen in Neubauten von 76,7 Prozent im Jahr 2000 auf 48,3 Prozent im Jahr 2013 gefallen. Auch in Altbauten müssen jedes Jahr mindestens drei Prozent der Gasheizkessel abmontiert werden.

    Angesichts dessen muss sich der russische Energieriese auf Einbußen auf dem europäischen Gasmarkt gefasst machen.

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    Tags:
    Erdgas, EU, Gazprom, Dänemark, Russland