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    Europäische Firmen umgehen Russland-Sanktionen

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    Europäische Unternehmen setzen ihre Kooperation mit ihren russischen Partnern trotz der wahrscheinlichen Verlängerung der EU-Sanktionen gegen Russland fort, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Dienstag.

    Brüssel hatte die Russland-Sanktionen vor knapp einem Jahr wegen der Ukraine-Krise verhängt. Im Juli laufen sie aus. Am 22. Juni treffen sich aber in Luxemburg die EU-Außenminister, die sich mit ihrer Verlängerung befassen werden.

    Obwohl diese restriktiven Maßnahmen zu den wichtigsten Richtungen in der Außenpolitik Brüssels gehören, zweifeln manche europäische Politiker an ihrer Effizienz. Unter anderem kritisierten der griechische Premier Alexis Tsipras und sein ungarischer Amtskollege Viktor Orban mehrmals die Sanktionen. Selbst die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini stellt die Effizienz der wirtschaftlichen Beschränkungen für Russland infrage.

    Olga Potjomkina vom russischen Europa-Institut sagte in diesem Kontext, dass die Verlängerung der Sanktionen bis Ende 2015 schon seit März beschlossene Sache sei. Die EU-Staats- und Regierungsoberhäupter hatten sich damals bei einem Gipfel grundsätzlich darauf geeinigt. Es sei jedoch keine offizielle Entscheidung getroffen worden, „um die Umsetzung des Minsker Prozesses nicht zu behindern“.

    Dennoch zeigen sich europäische Unternehmen, vor allem Energiekonzerne, bereit, mit ihren russischen Partnern weiterhin zusammenzuarbeiten. Laut der "Financial Times" hat British Petroleum (BP) mit dem russischen Staatskonzern Rosneft den Kauf eines 20-prozentigen Anteils an einem Ölfeld in Sibirien nahezu abgeschlossen. Der Deal wird auf 700 Millionen Dollar geschätzt. BP-Chef Bob Dudley gab sogar zu verstehen, dass der Konzern „zusätzliche Möglichkeiten für Investitionen in Russland“ erwäge.

    ENI (Italien) und Statoil (Norwegen) haben von den Behörden ihrer Länder die Genehmigung zur Fortsetzung der Kooperation mit Rosneft erhalten. Shell (Niederlande) arbeitet weiterhin mit der Gazprom-Tochter Gazpromneft zusammen und wartet auf die Zustimmung der niederländischen Regierung zu anderen Projekten.

    „Natürlich sind die Sanktionen ein Hindernis bei der Kooperation zwischen westlichen und russischen Unternehmen. Deshalb müssen die Geschäftskreise nach Umwegen suchen“, so Expertin Potjomkina. „Aber die EU bemühte sich von Anfang an darum, dass der Energiesektor von den Sanktionen möglichst nicht betroffen wird.“

    Die andauernde Kooperation zwischen europäischen und russischen Öl- und Gasunternehmen verweise auf die „immer größere Kluft zwischen den USA und der EU“, äußerte James Henderson vom Oxford Institute for Energy Studies. Washington habe zwar beispielsweise alle gemeinsamen Arktis-Projekte eingestellt, aber „europäische Konzerne suchen nach anderen Kooperationswegen und genießen dabei natürlich mehr Freiheit als ihre amerikanischen Kollegen.“

    Die "Financial Times" zitierte ihrerseits den Gründer und Partner der Moskauer Beratungsfirma Macro-Advisory, Chris Weafer, der vermutet, dass die Regierungen ein Auge dabei zudrücken, wenn die europäischen Unternehmen die Russland-Sanktionen umgehen. Einige von ihnen exportieren ihre Waren nach Russland über andere Länder (Brasilien, Indien, China, Türkei), die an den Sanktionen nicht beteiligt sind. Einige produzieren Dual-Use-Güter für Russland in Drittländern.

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    Kooperation, Energiebereich, Sanktionen, Shell, EU, Gazprom, Macro-Advisory, Statoil, ENI, British Petroleum (BP), Gazprom Neft, Rosneft, Chris Weafer, James Henderson, Bob Dudley, Olga Potjomkina, Alexis Tsipras, Viktor Orban, Federica Mogherini, Russland, Arktis