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18:47 20 Oktober 2019
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    Gazprom gewinnt E.On, OMV und Shell für Nord-Stream-Ausbau

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    Angesichts des nur schleppend vorankommenden Turkish-Stream-Projekts will Gazprom die Pläne zum Ausbau der Nord-Stream-Pipeline wiederbeleben, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Freitag.

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    © REUTERS / Sergei Karpukhin/Files
    Der russische Energiekonzern Gazprom unterzeichnete am Donnerstag mit der deutschen E.on aus Deutschland, der österreichischen OMV sowie dem britisch-niederländischen Shell-Konzern eine Absichtserklärung zum Bau von zwei neuen Strängen der Nord-Stream-Pipeline durch die Ostsee mit einer Gesamtkapazität von 55 Milliarden Kubikmetern.

    Das Projekt befindet sich zwar noch in der Anfangsphase, doch Experten zufolge ist es realistischer als das Turkish-Stream-Projekt. Ab 2020 könnte Russland seine Gaslieferungen an der Ukraine vorbeileiten. Darüber hinaus stärkt Gazprom seine Verhandlungsposition gegenüber der Türkei. Doch wie bei jedem Gaspipeline-Projekt in der EU, spielt die Haltung der EU-Kommission die entscheidende Rolle.

    Gazprom zufolge soll demnächst mit der Gründung eines gemeinsamen Projektbetreibers begonnen werden, wobei die positiven Erfahrungen der Nord Stream AG genutzt werden. Die neue Pipeline soll auf derselben Route wie Nord Stream verlaufen – von der Kompressionsstation Portowaja im Gebiet Leningrad bis zum deutschen Greifswald. Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow betonte, dass andere Teilnehmer in das Projekt einstiegen könnten, doch das Mehrheitspaket würde Gazprom gehören. Wintershall-Chef Mario Mehren teilte am Donnerstag mit, dass eine mögliche Teilnahme erörtert werde.

    Angesichts der sich in die Länge ziehenden Umsetzung des Turkish-Stream-Projekts bietet sich Gazprom nun eine neue Variante an, um ab 2020 auf den Gastransit durch die Ukraine zu verzichten. Nach „Kommersant“-Angaben bedeutet die Teilnahme des österreichischen Konzerns OMV, dass Gas vor allem nach Mitteleuropa zum Hub im österreichischen Baumgarten fließen wird.

    Damit könnten die Slowakei, Österreich, Ungarn sowie Gazproms größter Kunde der ukrainischen Transitroute, Italien, versorgt werden. „Falls die Gaspipeline gebaut wird, könnte man mit zwei statt vier Turkish-Stream-Strängen auskommen“, so Maria Belowa von Vygon Consulting.
    Laut den von „Kommersant“ befragten Experten hat die neue Ostsee-Pipeline einen deutlichen Vorteil gegenüber der Turkish-Stream-Pipeline mit vier Strängen. Nord Stream sei bereits ein gewinnbringendes Projekt für die Aktionäre, weshalb seine Erweiterung sinnvoller als Turkish Stream sei, so Thierry Bros von Société Générale. Gazprom habe bereits gute Erfahrungen bei der Verlegung der Röhre in der Ostsee gesammelt. Zudem seien die Vorbereitungsarbeiten bereits zum Teil erledigt worden. 2013 sei von der Nord Stream AG ein Entwurf zur Erweiterung der Kapazitäten veröffentlicht worden.

    Doch bislang befindet sich das Projekt in derselben Anfangsphase wie das Turkish-Stream-Vorhaben. Wie es bei Shell und E.On hieß, ist das am Donnerstag mit Gazprom unterzeichnete Dokument rechtlich nicht verbindlich. Die beiden Unternehmen veröffentlichten keine offiziellen Pressemitteilungen zum Memorandum. In einer OMV-Mitteilung wurde das Dokument als Absichtserklärung zur Erörterung einer möglichen Kooperation bei dem Projekt bezeichnet. Laut „Kommersant“-Quellen gibt es bislang noch nicht einmal einen ungefähren Terminkalender für die Arbeiten und Finanzierungsquellen.

    Das Hauptproblem bei der Umsetzung des Projekts ist wie gewöhnlich die Abstimmung mit der EU-Kommission. Nord Stream hat den Status eines transeuropäischen Netzes (TEN) und erhielt einige Ausnahmegenehmigungen aus dem Dritten Energiepaket. Doch bereits der Anschlusspipeline Opal wurde dieser Status verweigert, bei der Gazprom nur die Hälfte ihrer Kapazitäten nutzen dürfe. Doch für Gazproms geplante Umgehung der Ukraine muss die Opal-Pipeline erweitert werden, um Mitteleuropa mit Gas versorgen zu können. „Aktionäre und Banken wollen die Position der EU-Kommission vor Beginn der Investitionen kennen“, sagte Bros.

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    Gaslieferung, Ostsee-Pipeline, OPAL-Gasleitung, Nord Stream, Shell, EU, Gazprom, Société Générale, OMV, E.ON, Wintershall, EU-Kommission, Thierry Bros, Mario Mehren, Maria Belowa, Sergej Kuprijanow, Deutschland, Russland, Ukraine, Slowakei, Niederlande, Ungarn, Türkei, Italien, Österreich, Ostsee, Türkischer Strom