03:29 25 September 2020
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    Einer der Höhepunkte des Petersburger Wirtschaftsforums in der vorigen Woche war der Auftritt des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, schreibt der Vorsitzende des Präsidiums des russischen Rates für Außen- und Verteidigungspolitik, Fjodor Lukjanow, in einem Beitrag für die Mittwochausgabe der "Rossijskaja Gaseta".

    In seiner Rede gab Tsipras zu verstehen, dass Europa nicht mehr der Mittelpunkt der Welt ist.

    Die Griechenland-Krise ist im Grunde tragisch und lustig zugleich. Dieses Problem war von Anfang an von Menschenhand geschaffen. Zunächst taten die europäischen Großmächte so, als würden sie glauben, dass Griechenland den strengen Anforderungen an die Mitgliedsländer der Eurozone entspricht. Dann verletzten EU-Schwergewichte wie Deutschland und Frankreich die von ihnen selbst festgelegte Schuldenobergrenze und konnten Griechenland nicht mehr für dieselbe „Sünde“ bestrafen.

    Als Griechenland und andere südeuropäische Länder 2010 jedoch in die Schuldenkrise schlitterten, wurden sie von den EU-Schwergewichten zu einem strikten Sparkurs gezwungen. Viele Experten betrachteten die Sparmaßnahmen als unrealistisch, doch die EU-Politiker wollten nach keinen Alternativen suchen.

    In einigen Ländern wie Irland oder Portugal hatte die Sparpolitik Erfolg. In Griechenland verschärfte sich die Krise jedoch. Das führte dazu, dass im Januar dieses Jahres bei einer vorzeitigen Parlamentswahl eine Partei (Syriza) siegte, die sich vehement gegen den von der EU aufgezwungenen Sparkurs stemmt.

    Danach begann ein Nervenkrieg, bei dem beide Seiten blufften. Um die Verlängerung der Finanzhilfen für Athen wird derzeit gefeilscht, so dass der drohende Staatsbankrott Griechenlands offenbar verschoben wurde. In wenigen Monaten wird sich die Situation aber wohl wiederholen.

    Aber die Situation in der EU hängt nicht nur von Griechenland ab: Ende dieses Jahres wählt Spanien ein neues Parlament, wobei die linke Podemos-Bewegung siegen könnte, die bereits die Bürgermeisterwahlen in Madrid und Barcelona gewonnen hat.

    Griechenland wurde überraschend zum Stein des Anstoßes in den Beziehungen zwischen Russland und dem Westen: Brüssel & Co. werfen Moskau vor, die EU spalten zu wollen, indem es versucht, Athen auf seine Seite zu ziehen. In Washington ist man über Russlands Einfluss auf Griechenland beunruhigt, weil dieses Land seit vielen Jahren Nato-Mitglied ist.

    Russland sollte keine Möglichkeiten verpassen, die sich wegen der Kontroversen innerhalb der EU bieten, aber es sollte sich auch keine unbegründeten Hoffnungen machen. Denn Athen wird auf jeden Fall versuchen, sich mit seinen Kreditgebern zu einigen und in der EU bzw. der Eurozone zu bleiben. Zumal Moskau ihm im Grunde keine richtige Alternative anbietet.

    Eine solche könnte bei einer erfolgreichen eurasischen Integration und der gleichzeitigenWiederbelebung der chinesischen „Seidenstraße“ entstehen, aber das ist noch Zukunftsmusik. Deshalb sollte der Kreml nicht auf Athen setzen, solange die Griechen selbst noch nicht über ihre Zukunft entschieden haben.

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    Tags:
    Parlamentswahl, NATO, Syriza-Partei, EU, Alexis Tsipras, Irland, Moskau, Russland, Griechenland