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17:19 15 Oktober 2019
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    Eurozone am Abgrund: Grexit rückt näher

    © AFP 2019 / Angelos Tzortzinis
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    Der irische Finanzminister Michael Noonan hat auf das Scheitern der Verhandlungen zwischen Griechenland und den Geldgebern mit den Worten „Krise begonnen“ reagiert, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Montag.

    Die Eurogruppe weigerte sich am Samstag, das Hilfsprogramm für Griechenland zu verlängern und will der Europäischen Zentralbank (EZB) empfehlen, die Nothilfen für die griechischen Banken einzustellen. Das Programm läuft am 30. Juni ab. Am selben Tag muss Griechenland 1,5 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen. In diesem Jahr zahlte Griechenland bereits 17,3 Milliarden Euro zurück und muss bis Jahresende weitere 20,3 Milliarden begleichen.

    Ohne eine Vereinbarung mit den Kreditgebern werde Athen gezwungen sein, seine Zahlungsunfähigkeit zu erklären, schreibt das „Wall Street Journal“. Die Griechen sollen bei einem Referendum am 5. Juli beschließen, ob das Land auf die Vorschläge der EU, EZB und IWF eingeht oder nicht. Griechenlands Premier Alexis Tsipras rief die Griechen dazu auf, gegen die Bedingungen der Kreditgeber zu stimmen.

    „Man muss besprechen, wie mit den Folgen eines Bankrotts umgegangen werden soll“, so der der finnische Finanzminister Alexander Stubb. IWF, EZB und die EU-Kommission schlugen vor, das Hilfsprogramm für Griechenland für fünf Monate zu verlängern und Athen 15,5 Milliarden Euro bereitzustellen – 8,7 Milliarden aus dem Europäischen Stabilitätsfonds, 3,3 Milliarden über das Securities Markets Program der EZB und 3,5 Milliarden vom IWF. Im Gegenzug forderten die Kreditgeber Haushaltskürzungen und Steuererhöhungen. Unter den Forderungen sind die Erhöhung des Renteneintrittsalters, Einschränkungen bei Frühpensionierungen und ein schrittweiser Verzicht auf alle vom Staat finanzierten Ermäßigungen.

    Laut Teis Knudsen von der Saxo Bank hat Griechenland den Markt lahmgelegt. Nach der Meldung, dass Griechenland keine Finanzhilfen bekommt, verlor Euro Stoxx 1,3 Prozent, der griechische ASE-Index 1,8 Prozent, der erste Rückgang seit fünf Tagen. Die Reaktion der Märkte werde am Montag noch heftiger sein, der Euro-Kurs werde massiv einbrechen, so der Experte Joe Bell von Schaeffer’s Investment Research Inc.

    Griechenlands Nationalbank schloss vergangene Woche einen Austritt aus der Eurozone und der EU nicht mehr aus. Laut dem griechischen Finanzminister Janis Varoufakis könnten die Verluste der Kreditgeber wegen des Euro-Ausstiegs bei mehr als einer Billion Euro liegen. Nach Bloomberg-Schätzungen machen die griechischen Schulden 2,4 Prozent des BIP Deutschlands und 2,8 Prozent des BIP Frankreichs aus. Am stärksten werden Mittel- und Osteuropa betroffen sein, so UBS-Experten. Die Nationalwährungen Ungarns und Polens werden fünf bis zehn Prozent an ihrem Wert verlieren. Tschechien, Ungarn und Polen haben enge Handels- und Bankenverbindungen mit Griechenland, so William Jackson von Capital Economics. Viele griechische Banken haben Niederlassungen in Rumänien und Bulgarien.

    Doch am stärksten werde es Griechenland selbst treffen, so S&P-Experten. Die griechischen Banken erwarte eine Pleitewelle. Laut JPMorgan verloren sie bereits seit letzter Woche rund sechs Milliarden Euro; seit Jahresanfang sind es insgesamt 44 Milliarden Euro. Allein am Samstagvormittag seien rund 400 Millionen Euro abgehoben worden, berichtete Bloomberg.

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    Tags:
    Grexit, Euro Stoxx, ASE-Index, Bank JPMorgan, Bloomberg, Griechenlands Nationalbank, Schaeffer’s Investment Research Inc, Saxo Bank, EU-Kommission, Wall Street Journal, IWF, Europäische Zentralbank (EZB), Eurozone, EU, William Jackson, Joe Bell, Teis Knudsen, Alexander Stubb, Alexis Tsipras, Michael Noonan, Griechenland