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07:25 14 Oktober 2019
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    Donbass droht Umweltkatastrophe durch radioaktiv verseuchtes Wasser

    Donbass droht Umweltkatastrophe durch radioaktiv verseuchtes Wasser

    © Sputnik / Konstantin Chabalov
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    Ukrainische Umweltschützer haben davor gewarnt, dass sich das Donezbecken (Donbass) in den kommenden Jahren in ein radioaktiv verseuchtes Moor verwandeln könnte, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    In der Donbass-Region seien Boden, Wasser und Luft mit Schwermetallen und gefährlichen Chemikalien verseucht, so Experten. Doch die größte Gefahr sei ein Lager für radioaktiven Abfall in der Nähe von Donezk.

    Die ukrainische NGO „Umwelt. Recht. Mensch“ und unabhängige Gewerkschaftsorganisationen berichteten bereits im vergangenen Jahr von einer drohenden Umweltkatastrophe. Die Umweltschützer betreiben eigene Forschungen auf Grundlage von UN-Methoden, weil die zuständigen Behörden nichts unternehmen.

    „Die Regierung spricht in Bezug auf den Krieg im Donezbecken über den Tod von Menschen und zählt die wirtschaftlichen Verluste, doch berücksichtigt dabei gar nicht, dass der größte Schaden in dem Krieg der Umwelt zugefügt wird. Bei uns wird der Umweltschutz traditionell als ‚Kümmern um Schmetterlinge‘ bezeichnet. Doch tatsächlich handelt es sich um die Gesundheit von Millionen Menschen, darunter derjenigen, die nicht in den umkämpften Gebieten leben. Die Wirtschaft könnte wiederaufgebaut werden. Die Folgen einer Umweltkatastrophe werden noch mehrere Jahrzehnte und Jahrhunderte zu spüren sein“, so eine Mitarbeiterin der Umweltschutzorganisation.

    Seit Herbst werden im Donezbecken Boden-, Wasser- und Luftproben genommen. Bereits am Jahresende wurde festgestellt, dass die Konzentration von Schwermetallen wegen des andauernden Beschusses deutlich angestiegen ist.

    Experten betonen, dass sich im Donezbecken vor Kriegsbeginn rund 4.000 als gefährlich eingestufte Objekte befanden. Soziologe Jewgeni Kopatjko, der diese Region gut kennt, führt ein Beispiel an: „Wenn man aus Konstantinowka nach Donezk fährt, ist auf einer Seite die Koksofenanlage Awdejewski und auf der anderen Seite die Koksofenanlage Jassinowski zu sehen. Am dritten Werk, Stirol, werden Gefechte geführt. Dort droht eine Umweltkatastrophe. In der Nähe der umkämpften Gebiete befinden sich das AKW Saporoschje und etwas weiter weg das AKW Südukraine.“

    Im Januar traf ein Geschoss ein Chlorlager. Vertreter eines Wasserversorgers im Donezbecken betonen, dass das ausgetretene Chlor Hunderttausende Einwohner bedrohen könnte.

    Doch die Einheimischen haben vor allem Angst vor Explosionen in Chemiewerken. Die Besitzer des Stirol-Werkes berichteten bereits im Sommer des Vorjahres, dass alle gefährlichen Stoffe weggebracht worden seien. In einem Donezker Chemiewerk läuft der Betrieb jedoch weiter und stellt somit eine Gefahr dar.

    Am 16. Juni kam es zu einer Explosion in einem unterirdischen Lager mit Großkalibergeschossen nahe einer Donezker Chemiefabrik. Nach Angaben der ukrainischen Behörden könnte ein nahegelegenes Lager für radioaktiven Abfall davon betroffen sein. Das ukrainische Umweltschutzministerium wandte sich an die OSZE mit der Bitte, die radioaktive Strahlung im Donezbecken zu kontrollieren. Ob die OSZE darauf reagiert hat, ist bislang nicht bekannt.

    Experten warnen zudem vor einer weiteren Gefahr. Nahe einiger überfluteter Gruben war 1979 ein Atomtest durchgeführt worden. Das Schachtwasser könnte radioaktive Stoffe an die Oberfläche gespült haben.

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    Tags:
    Radioaktivität, Abfall, Umwelt, AKW Saporoschje, OSZE, Jewgeni Kopatjko, Donbass, Ukraine