23:40 20 November 2019
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    Nach einem Taliban-Angriff in Kabul

    Wegen IS-Vormarsch: Afghanistan will sich mit Taliban versöhnen

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    Die afghanischen Behörden haben offizielle Verhandlungen mit den Taliban aufgenommen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Das erste Treffen fand am Dienstag in Pakistan statt, ein weiteres Treffen ist nach dem Fastenmonat Ramadan geplant. Zu den wichtigsten Forderungen der Taliban gehört die Umverteilung der Macht am Hindukusch. Dazu ist die Regierung in Kabul zwar kaum bereit, doch Experten zufolge könnte sie Zugeständnisse machen, weil es einen gemeinsamen Feind gibt: Der „Islamische Staat“ erklärte Afghanistan zu seiner Provinz und könnte sowohl gegen die Taliban als auch gegen die Regierungstruppen in den Kampf ziehen.

    Erste Verhandlungen zwischen Vertretern der afghanischen Führung und den Taliban fanden am Dienstag in Pakistan statt. Wie es am Mittwoch aus dem pakistanischen Außenministerium hieß, äußerten beide Seiten den Wunsch, Frieden in Afghanistan und der gesamten Region herzustellen. Darüber hinaus wurde betont, dass das Erreichen gegenseitigen Vertrauens nötig sei. Neben den direkten Konfliktteilnehmern wohnten dem Treffen Vertreter der USA und Chinas bei. Eine weitere Verhandlungsrunde soll nach dem Ende des Ramadans stattfinden, also nach dem 16. Juli.

    Nach pakistanischen Angaben verfügten die Verhandlungsteilnehmer „über ein vollständiges Mandat seitens ihrer Führung“. Doch die Taliban nahmen keine Stellung zu diesen Informationen. Bei vorherigen informellen Kontakten war eine deutliche Spaltung in den Reihen der Taliban zu erkennen. „Wir hatten ein Treffen in China. Doch die Taliban sagten später, dass die Vertreter der Taliban ausschließlich in ihrem Namen handelten“, so der afghanische Vizeverteidigungsminister Massoud Stanikzai am Rande des jüngsten Treffens der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel.

    „Die jetzigen Verhandlungen sind eine Fortsetzung der Politik von Hamid Karzai“, so der russische Sicherheitsexperte Wladimir Sotnikow. Der IS würde am Hindukusch auf dem Vormarsch sein. Die IS-Extremisten hätten Afghanistan bereits zu ihrer Provinz erklärt und seien eine ernstzunehmende Gefahr sowohl für die afghanische Armee als auch für die Taliban. 

    Kabul und die Taliban könnten wegen der IS-Bedrohung Kompromisse eingehen.

    „Die größte Forderung der Taliban ist die Umverteilung der Macht. Präsident Ashraf Ghani hat sich bislang nicht zu diesem Thema geäußert. Doch dazu könnte es kommen, wenn der IS die Taliban dominieren und die Regierungstruppen bedrohen sollte“, so Sotnikow.

    Dann würde die Umverteilung der Macht mit den Taliban am Hindukusch das kleinere Übel sein.

    Moskau verfolgt aufmerksam die Entwicklung in Afghanistan. „Von außen sieht in Afghanistan alles gut aus. Doch wir registrieren ein aktiveres Vorgehen der Taliban. Außerdem dringt IS in das Land ein“, sagte der russische Vizeverteidigungsminister Anatoli Antonow. Ihm zufolge wird für die Anwerbung von Kämpfern des islamischen Kalifats viel Geld ausgegeben. „Das schafft eine große Bedrohung für uns alle. Es ist wichtig, die Veränderungen aufmerksam zu verfolgen und praktische Schritte zur Beseitigung der aus der Region kommenden Bedrohungen zu unternehmen“, so Antonow.

    Wie aus dem Kreml zuvor verlautete, sind neue Initiativen im Kampf gegen IS eines der Hauptthemen beim Gipfel der Shanghai-Organisation (SOZ) in Ufa.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, NATO, Taliban, SOZ, Massoud Stanikzai, Hamid Karzai, Wladimir Sotnikow, Ashraf Ghani Ahmadsai, Anatoli Antonow, USA, China, Pakistan, Afghanistan