15:42 21 Januar 2020
SNA Radio
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    17871
    Abonnieren

    Die Folgen der Ukraine-Krise sind mittlerweile sogar in Finnland spürbar. Das finnische Militär will an der Grenze zu Russland schnelle Eingreifkräfte stationieren, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Dienstag.

    Der finnische Verteidigungsminister Jussi Niinisto führte diese Entscheidung auf die Ereignisse in der Ostukraine zurück.

    Finnische Soldaten
    © Flickr / US Army Europe Images
    Ein Sprecher der finnischen Streitkräfte teilte allerdings mit, dass es sich um eine Umstrukturierung der bereits bestehenden Truppen handelt und dass eine Stationierung von neuen Kräften an der Grenze zu Russland nicht in Frage kommt. „Das ist ein Teil unseres Plans zur Reformierung unserer Streitkräfte“, so der Sprecher.

    Finnland ist zwar kein Nato-Mitglied, hat aber seit dem Beginn der Ukraine-Krise seine Kooperation mit der Allianz massiv ausgebaut. Der Moskauer Analytiker Fjodor Lukjanow, Chef des russischen Rates für Außen- und Verteidigungspolitik, ist der Ansicht, dass die Ereignisse in der Ukraine „die alten Ängste der Finnen“ wiederbelebt haben. „In Finnland ist die Angst vor Russland ein Teil des Weltbildes, das sich auf den Bürgerkrieg und den Winterkrieg von 1939 zurückführen lässt. Das (finnische) Militärkommando glaubt offenbar nicht an die Möglichkeit eines russischen Angriffs, will aber gewisse Maßnahmen ergreifen.“

    Laut dem Experten verfolgt die finnische Regierung zwei Ziele: „Erstens will sie den beunruhigten Wählern zeigen, dass sie auf der Hut ist. Zweitens muss das Thema Nato-Beitritt von vorneherein kleingehalten werden.“ Die Führung des Landes wisse genau, dass Russland für Finnland sehr wichtig ist, und trete traditionell gegen einen Nato-Beitritt ein. Die Bevölkerung werde aber nervös und müsse beruhigt werden, so Lukjanow.

    Egal wie, aber für Moskau ist der Sinneswandel in Helsinki schmerzhaft. „In letzter Zeit sehen wir permanent unfreundliche Aktivitäten seitens Finnlands“, sagte der Vizechef des Verteidigungsausschusses in der Staatsduma (russisches Unterhaus), Sergej Schigarew, und erinnerte an das Einreiseverbot nach Finnland für den Parlamentsvorsitzenden Sergej Naryschkin Ende Juni.

    „Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte die finnische Führung immer gewusst, was gute Nachbarschaft ist“, so der Vizechef des Auswärtigen Ausschusses des Unterhauses, Andrej Klimow. „Sie bemühte sich um die Sicherheit und das Gedeihen des eigenen Landes, indem Geld nicht für die Verteidigung, sondern für die Wirtschaftsentwicklung ausgegeben wurde. Das war einer der Gründe für das ‚finnische Wirtschaftswunder‘.“ Jetzt aber haben die Finnen „das verloren, was das Gedeihen ihres Landes seit fast 60 Jahren sicherte“, ergänzte der Senator.

    Die Verstärkung der Grenze zu Russland verglich er mit der „Verteidigung vor Marsmenschen“: „Es geht ja nur um die nutzlose Verschwendung der finnischen Steuergelder.“

    Dennoch zeigte sich Klimow überzeugt, dass Moskau auf Helsinkis Schritte reagieren müsste. Unter anderem müsse ein Exportverbot für Rundholz nach Finnland erwogen werden: „Das würde viele dort ernüchtern.“ „Finnland müsste sich um die Entwicklung seiner eigenen Wirtschaft kümmern, die seit 25 Jahren eng mit der russischen Wirtschaft verbunden ist, und nicht nur aggressiven Populismus betreiben“, stimmte Schigarew zu.

    Eine Quelle im russischen Generalstab sagte derweil, dass die jüngste Mobilmachung der finnischen Armee ungefährlich für Russland sei, weil die dortigen Infanteriebrigaden „nicht für Offensivhandlungen bestimmt sind“. Die Aussagen der finnischen Politiker und Militärs seien nichts als „ein Versuch, der Nato zu dienen“.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Wegen Russland: Schweden und Finnland erwägen Nato-Beitritt
    Moskau reagiert auf Nato-Manöver in Skandinavien
    Finnland sieht keine militärische Bedrohung durch Russland
    Finnland meldet Luftraumverletzung durch russischen Kampfjet
    Tags:
    Kooperation, Grenze, NATO, Andrej Klimow, Sergej Schigarew, Sergej Naryschkin, Fjodor Lukjanow, Jussi Niinisto, Russland, Finnland, Ukraine