08:08 22 September 2017
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    PKK-Kämpferin in Nordirak

    Türkei und Kurden: Deutschland zwischen zwei Fronten

    © REUTERS/ Asmaa Waguih
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Die Türkei hat am Mittwoch den größten Luftangriff gegen die Kurden seit Beginn der Militäroperation vor rund einer Woche geflogen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Das türkische Parlament erörterte bei einer Sondersitzung den Konflikt mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK und tendiert trotz Kritik aus dem Ausland zu einer militärischen Lösung der Kurden-Frage. Deutschland, das seit langem als Verbündeter sowohl der Türkei als auch der Kurden gilt, geriet zwischen die Fronten, will die Angriffe gegen die Kurden jedoch nicht unterstützen.

    In Deutschland leben rund drei Millionen ethnische Türken. Deswegen werden die Probleme in der Türkei hier sehr aufmerksam verfolgt. Einige Vertreter der türkischen Diaspora sind auch in der deutschen Politik aktiv.

    Grünen-Chef Cem Özdemir, Sohn türkischer Einwanderer, sagte, dass die Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdogan ins Chaos versinken werde. „Wir können nicht wegschauen, wenn ein Land, das bis gestern noch in die EU wollte, sich unter Erdogan in ein Mini-Pakistan mit einem autoritären Herrscher direkt an der europäischen Grenze verwandelt“, sagte Özdemir der „Passauer Neuen Presse“. Er habe die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bislang weitgehend widerstandslos gewähren lassen. Das Vorgehen der Türkei gegen die Terrormiliz sei rein symbolisch, so Özdemir.

    PKK-Kämpfer lassen die Angriffe der türkischen Luftstreitkräfte nicht unbeantwortet. Am Donnerstag wurden im Südosten des Landes drei türkische Soldaten getötet. Berlin steckt jetzt in der Zwickmühle. Patriot-Raketen der Bundeswehr überwachen den Luftraum im Süden der Türkei und sollen den Nato-Verbündeten vor Angriffen aus Syrien schützen. Gleichzeitig bilden deutsche Militärs kurdische Kämpfer im Nordirak aus, die deutsche Waffen im Kampf gegen den IS einsetzen. Das seien zwei ganz verschiedene Aufträge, so die „Süddeutsche Zeitung“. „Die Angriffe der Türkei auf kurdische Positionen im Irak lassen aber zweifeln, ob sie noch miteinander vereinbar sind“.

    Das eigentliche Ziel Erdogans sei es, einen kurdischen Staat an der Südgrenze der Türkei zu verhindern und die Kurden in der Türkei wieder mundtot zu machen, so die „Süddeutsche Zeitung“. „Das ist machiavellistische Machtpolitik, welche Deutschland nicht unterstützen darf. Profitieren wird nur das Horrorkalifat des IS“.

    Laut dem russischen Politologen Alexander Ignatenko gehören Deutschland und die Türkei zwar zu einem militärpolitischen Bündnis. Doch die Türkei werfe den IS und die PKK in denselben Topf und erkläre, gegen den Terror zu kämpfen. Die Nato-Mitgliedsstaaten wüssten genau, welche Ziele die Türkei verfolgt. Es sei nicht auszuschließen, dass diese Situation zur Verschlechterung der Beziehungen zwischen Ankara und den Nato-Verbündeten führen könnte.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Kurden, Flugabwehrraketensystem Patriot, NATO, Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), EU, Recep Tayyip Erdogan, Cem Özdemir, Syrien, Deutschland, Türkei
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