Widgets Magazine
16:54 19 Oktober 2019
SNA Radio
    Mullah Omar

    Machtkampf: Taliban droht Spaltung

    © Wikipedia/ Maquivi
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    5818
    Abonnieren

    Nach dem Tod des Taliban-Chefs Mullah Omar ist ein Machtkampf in der Führungsspitze der radikal-islamistischen Bewegung entbrannt, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Freitag.

    Die Auseinandersetzungen in der Führungsriege der Taliban können zu radikalen Änderungen in der Bewegung führen. Während sich der gemäßigte Flügel dem politischen Prozess in Afghanistan anschließen könnte, könnte der „Islamische Staat“ zum Auffangbecken der Radikalen werden.

    Nach Bekanntgabe des Todes von Mullah Omar, der in Afghanistan von 1996 bis 2001 regierte und sich nach dem Sturz des Taliban-Regimes im Gebirge versteckte, verschärften sich die Machtkämpfe unter den Talibanmitgliedern. Auslöser war der Beschluss des Schura-Rates bei einem Treffen in Pakistan, Mullah Akhtar Mansur zum neuen Anführer zu ernennen.

    Nachdem afghanische Medien berichteten, dass Mullah Omar von seinem Nachfolger vergiftet worden sein könnte, lehnten der Bruder und der Sohn des verstorbenen Taliban-Chefs dessen Ernennung ab.

    Der Chef der Taliban-Vertretung in Doha, Syed Mohammad Tayab Agha, der für die Kontakte zwischen den Taliban und den afghanischen Behörden zuständig war, erklärte als Zeichen der fehlenden Loyalität gegenüber dem neuen Taliban-Chef seinen Rücktritt. Er warf Mullah Mansur vor, den Tod von Mullah Omar zwei Jahre lang verheimlicht zu haben, weshalb nicht die Taliban selbst, sondern die afghanischen Behörden dies zuerst verkündeten. Das Vorgehen Mansurs sei ein Fehler von historischem Ausmaß. „Die Tatsache, dass der Taliban-Anführer von Personen ernannt wurde, die sich außerhalb des Landes befinden, ist ein weiterer großer historischer Fehler“, sagte Syed Mohammad Tayeb Agha. Er zeigte sich darüber verärgert, dass sich das Entscheidungszentrum der Taliban statt in Afghanistan in Pakistan befindet.

    Die Machtkämpfe der Taliban können zu einer bewaffneten Konfrontation zwischen den sich bekämpfenden Seiten führen. Erste Anzeichen dafür zeigten sich bereits diese Woche. Wie die Polizei der Provinz Herat mitteilte, wurden bei einem Schusswechsel zwischen zwei Taliban-Einheiten acht Extremisten getötet. Nach Angaben von afghanischen und pakistanischen Medien gab es einen weiteren blutigen Zusammenstoß in der westpakistanischen Stadt Quetta, nahe der afghanischen Grenze.

    Die jüngsten Ereignisse in Afghanistan zeigen, dass es ein Machtvakuum bei den Taliban gibt. Die Taliban könnten sich in einen gemäßigten und einen radikalen Flügel spalten. Die Gemäßigten könnten einen Dialog mit Kabul ansteuern, während die Radikalen den bewaffneten Kampf fortsetzten. Experten schließen nicht aus, dass jene sich der Terrormiliz „Islamischer Staat“ anschließen könnten.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Taliban-Führer Mullah Omar ist tot – Medien
    Taliban besetzen 80 afghanische Dörfer – Tote unter den Einwohnern
    Afghanischer Politiker: Verhandlungen mit Taliban sind nur Schein
    Kampf gegen IS und Taliban: „Die USA sind ratlos“
    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Taliban, Syed Mohammad Tayab Agha, Mullah Omar, Afghanistan