16:39 17 Februar 2020
SNA Radio
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    4317
    Abonnieren

    Aus Sorge vor Terroranschlägen erwägen einige europäische Länder die Wiedereinführung von Grenzkontrollen im Schengen-Raum, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta" am Montag.

    Nach dem Angriff eines Islamisten in einem Thalys-Zug auf dem Weg zwischen Amsterdam und Paris schloss der belgische Ministerpräsident Charles Michel nicht aus, dass die EU-Länder einen Teil ihrer Freiheiten für eine effektivere Terrorbekämpfung opfern müssen. Das Schengen-Abkommen sei zwar sehr wichtig für die Wirtschaft der EU-Länder, aber angesichts der Terrorgefahr müsse es möglicherweise revidiert werden, wenn es um die Identifizierung der Fahrgäste und die Gepäckkontrollen gehe, betonte er. 

    Zuvor hatte sich auch der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere in einem BBC-Interview zu dem Thema geäußert und betont, dass das Schengen-Abkommen in Gefahr sei.

    Dem Schengen-Raum gehören derzeit 26 Staaten an, von denen die meisten EU-Mitgliedsstaaten sind. Laut dem Abkommen gibt es innerhalb dieses Raums keine Grenzkontrollen. 

    Zum letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen könnte, wurde ein bewaffneter Angriff in einem Schnellzug zwischen Amsterdam und Paris am vergangenen Freitag. Nach Angaben der Zeitung „Libre Belgique“ hatte der marokkanische Angreifer eine Kalaschnikow-Maschinenpistole, eine Pistole und ein Messer mit sich. Einige Passagiere konnten ihn kurz nach der belgisch-französischen Grenze überwältigen, offenbar plante er ein Blutbad. Früher soll der mutmaßliche Terrorist in Spanien, Frankreich und Belgien gelebt haben. 

    In Brüssel rief der Anschlag große Besorgnisse hervor: Am Samstag beschloss der Nationale Sicherheitsrat, die Sicherheitsvorkehrungen in internationalen Bahnhöfen und Thalys-Zügen zu verstärken. Belgiens Premier Michel sprach  mit dem französischen Präsidenten Francois Hollande bei einem Telefongespräch  über die Sicherheitsprobleme in Zügen. 

    Nadeschda Arbatowa vom russischen Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen zufolge sind die jüngsten Äußerungen der Politiker in Brüssel und Berlin nachvollziehbar. Allerdings zweifelt sie daran, dass die Einschränkungen der Reisefreiheit im Schengen-Raum hilfreich sind.

    Terrormiliz Islamischer Staat
    © AP Photo / Raqqa Media Center of the Islamic State group

    „Das sind nötige Maßnahmen, aber (…) sie werden die Probleme illegale Migration und Terrorismus nicht lösen“, so die Expertin. „Wenn die Menschen bereits in Europa sind, dann müssen sie irgendwohin gebracht werden. Wir beobachten einen zunehmenden Nationalismus, und zwar in Ländern, wo der Wohlstand ziemlich groß ist. Das ist ein gefährlicher Bazillus für die europäische Integration, dem gerade die Unterdrückung solcher Stimmungen zugrunde liegt. Die Menschen fürchten, dass nach Europa nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Islamisten kommen.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Terrorgruppierung Islamischer Staat
    Balkanland Bosnien beherbergt Terror-Hochburg?
    IS als neuer Nahost-Akteur: „Wir werden uns daran gewöhnen müssen“
    Tags:
    Schengen-Abkommen, Thalys, Nadeschda Arbatowa, Paris, Amsterdam, Europa