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13:40 23 September 2019
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    Der Wechselkurs des russischen Rubels

    Rubel-Talfahrt: Experten erwarten keine Rettungsaktionen

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    Der Wechselkurs des russischen Rubels hat gestern einen dramatischen Absturz gegenüber dem US-Dollar und dem Euro erlebt, schreibt die Zeitung "RBC Daily" am Dienstag.

    Am Montagabend kostete ein Euro 82,09 Rubel (um 3,4 Rubel teurer als am Freitagabend) und ein Dollar 70,9 Rubel (um 1,79 Rubel teurer als am Freitagabend).

    Auf diese Weise reagierte die russische Währung auf die Einbrüche auf den globalen Aktienmärkten: In China sackte die Börse um neun Prozent und in den USA um fünf Prozent ab. Zudem fiel der Ölpreis auf seinen niedrigsten Stand seit März 2009.

    „Die Abwertung des Rubels ist die Folge von globalen Trends“, findet der Chefstratege von Sberbank CIB, Tom Levinson. Nach seiner Auffassung wird die Dynamik des Wechselkurses in kurzfristiger Perspektive durch äußere Faktoren bestimmt: „Investoren steigen aus riskanten Aktiva wie Rubel oder der südafrikanische Rand aus, und der Ölpreis ist niedriger gefallen als im Januar.“ Ein Barrel der Ölsorte Brent koste inzwischen nur etwas mehr als 40 Dollar und könnte demnächst noch tiefer fallen, so der Branchenkenner. „Dabei sehen wir, dass der Ölpreis in Rubel stabil über 3100 Rubel pro Barrel liegt, und bei einem solchen Szenario bekommen wir einen Wechselkurs von mehr als 75 Rubel für einen Dollar.“

    Auch der Chefökonom der Finanzgruppe BCS, Wladimir Tichomirow, hält einen Absturz des Ölpreises auf weniger als 40 Dollar pro Barrel für wahrscheinlich. Dabei könnte ein Dollar mehr als 80 Rubel kosten. Es sei „eine ungewöhnliche Situation entstanden: Gleich zwei größte Märkte – der amerikanische und der chinesische – erleben starke Korrekturen.“

    An der Moskauer Börse fiel gestern der in Dollar berechnete Index RTS um 4,94 Prozent. Der in Rubel berechnete Index verlor 1,75 Prozent.

    Am Wochenende hatte Premier Dmitri Medwedew gesagt, der Rubelkurs könnte etwas steigen, wenn exportorientierte Unternehmen ihre Erlöse in ausländischen Währungen verkaufen. Die Regierung würde dabei helfen, ergänzte er.

    Ein hochrangiger Beamter sagte, dass die Regierung die Exporteure nicht zu Verkäufen von Dollar und Euro zwingen werde. „Angesichts der Ölpreisschwankungen ist es sinnlos, auf die Rubelschwankungen zu achten – das muss man einfach überstehen“, betonte er. Das Kabinett habe vorerst keine Krisenpläne, verfolge aber aufmerksam die Situation, vor allem in China.

    Auch Vertreter von Unternehmen behaupten, keine Hinweise von der Regierung erhalten zu haben, Dollar und Euro zu verkaufen.

    Die von "RBC Daily" befragten Experten erwarten von der Zentralbank keine besonderen Aktivitäten. „Interventionen auf dem Devisenmarkt sind derzeit zwecklos: Nach einer unwesentlichen Korrektur wird sich der Rubel wieder auf einem Niveau stabilisieren, das der Dynamik der Ölpreise entspricht“, sagte Experte Tichomirow. Auch sein Kollege Levinson glaubt nach seinen Worten nicht, dass die Behörden oder die russische Zentralbank versuchen werden, sich gegen den globalen Trend zu stemmen.

     

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